„Der Nachtzug“ von Sebastian Fitzek: Verwirrspiel im Bummelzug

Kultur

Schon im Sommer hat Sebastian Fitzek 20 Jahre Thriller-Bestsellerautor-Dasein gefeiert – mit 20.000 Gästen in der Berliner Waldbühne. 2006 hatte er seinen Durchbruch mit dem Roman „Die Therapie“. Es folgten viele weitere, gern im sadistischen psychiatrischen Umfeld, gern mit entführten Kindern, gern mit lebendig entfernten Körperteilen und sonstiger Folter und Qual. Für TV-Literaturkritiker Denis Scheck ist Fitzek daher erklärter Lieblingsfeind, er geißelt seine „voyeuristischen Gewaltpornos“ in schöner Regelmäßigkeit mit trefflich angewiderter Miene.

Fitzek ficht das nicht an. Bei seiner Show begrüßte er das Publikum munter zu einer Feier von „69 Leichen, 27 Serienkillern und einer einzigen Sexszene“. Bei Letzterer ist nun im eben erschienenen Krimi „Der Nachtzug“ wieder keine dazugekommen, bei Ersteren – naja, zu viel will man ja auch nicht verraten.

Telefonat mit Mörderin

Fangen wir mit dem Unvermeidlichen an: Wieder mal geht es um ein verschwundenes Kind. Die Frau des Berliner Anwalts Adrian Corvin liegt mit durchgeschnittener Kehle im Bett, sein Sohn Emil ist nicht mehr auffindbar. Zumindest wer das mit der Kehle war, weiß Adrian. Also zumindest hat er die Mörderin gesehen, schließlich hat sie auf seiner Terrasse stehend mit ihm telefoniert.

Sie will ihn nämlich als Anwalt engagieren. Dieses absurde Verlangen erneuert sie später mit mehr Dringlichkeit. Corvin muss nämlich nach Prag, um die Verdächtige bei einer Gegenüberstellung zu identifizieren. Dort erhält er aber ein Ticket für einen Luxus-Nachtzug von Prag nach Berlin. Da eröffnet ihm die Mörderin, dass er nur mit ihrer Verteidigung seinen Sohn retten kann. Das ist der Trick eines Autors, der nach Kräften eine originelle Art sucht, eine Rätsellösung in Gang zu bringen. Daran ist einiges hoppertatschig bzw. komplizierter als nötig. Am wenigsten verrät man wohl mit diesem nervigen Detail: Es klärt sich nie auf, warum es ein Zug von Prag nach Berlin sein muss, was erfordert, dass der Zug extra langsam fährt, weil die Strecke nur höchstens fünf Stunden dauert. Der Zug könnte einfach auch aus Wien starten, längere Fahrtzeit, null Auswirkung auf die Geschichte.

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Zum 20-jährigen Jubiläum hat sich Fitzek ein Kammerspiel gegönnt, das nicht die Gewaltnarrative bedient, die man sich von ihm erwartet. Manchmal spielt er auf sein Oeuvre an, etwa auf den Kreuzfahrt-Thriller „Passagier 23“ mit ähnlichem Setting.

Spannend ist der Roman allemal, solange man kein Problem mit Fitzeks grobschlächtigen Sprachbildern hat („hundert Fragen …, die in seinem Kopf mietfrei wohnten und wie Messies seinen Verstand verwüsteten“). Als Bonus gibt es im Nachwort eine Rechtfertigung, warum in seinen Büchern Frauen so viel Elend durchmachen müssen. Und einen Hinweis darauf, welches Verbrechen er im Kindercafé seiner Frau begangen hat.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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