Madeline Miller macht in „Mestra“ eine Fußnote zur Heldin

Kultur

Die US-Autorin Madeline Miller hat bereits die Zauberin aus der „Odyssee“ im spannenden Roman „Ich bin Circe“ zur Hauptfigur gemacht. Nun hat sie einer Frau, die Ovid in seinen „Metamorphosen“ gerade mal einen kleinen Absatz wert war, eine ähnliche Behandlung angedeihen lassen.

„Mestra“ ist die Tochter des Erysichton, der von der Göttin Ceres verflucht wurde, weil er einen ihrer Wälder abgeholzt hat inklusive Nymphenmord. Ceres verflucht ihn deshalb zu unstillbarem Hunger. Um an Nahrung zu kommen, verkauft er seine Tochter Mestra. Die hat als Gegenleistung von Poseidon, der sie – natürlich – vergewaltigt hat, die Fähigkeit der Verwandlung geschenkt bekommen. Und entkommt so – als muskulöser Fischer – ihrem ersten neuen Besitzer.

Der Vater weiß das Talent einzusetzen, er verkauft sie als Frau, als Köchin, als Pferd, als Kuh – und Mestra stiehlt sich unter anderem als Vogel wieder davon. Miller verleiht Mestra nicht nur eine eigene Erzählstimme, sie gibt ihr auch das Selbstbewusstsein, sich gegen den Vater aufzulehnen, der immer mehr und mehr braucht und will.

Der dünne, von Thomke Meyer dynamisch illustrierte Band enthält auch Ovids Originalgeschichte und zeigt auf verblüffende Weise, wie man Leerstellen im mythologischen Kanon modern auffüllen kann.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)
  Happy Birthday, Herr Liszt: Geburtstagskonzert in Raiding

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.