
Ende der 90er Jahre lernte das Fernsehpublikum ihn zum ersten Mal kennen: Ali G – die Parodie eines verhaltensauffälligen weißen Rappers aus der britischen Kleinstadt, erdacht von Schauspieler und Komiker Sacha Baron Cohen. Seine Kunstfigur bekam seine eigene TV-Show und 2002 einen eigenen Kinofilm: „Ali G in da House“.
Berühmt wurde Ali G für seine Interviews mit prominenten Gesprächspartnern, die von ihm regelmäßig dazu gebracht wurden, sich selbst vorzuführen. Eine Art des Humors, die rund um die Jahrtausendwende gut ankam – Baron Cohen erntete aber auch immer wieder Kritik sowie den Vorwurf, er bediene sich für Ali G an Symbolen der Schwarzen Community und mache sich über sie lustig. Seine Figur sei rassistisch, sexistisch und schwulenfeindlich.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten hat Baron Cohen seinen Ali G nun also wieder aus der Mottenkiste geholt. Der Film „Ali G: Who Iz I?“ ist gleichzeitig sein Regiedebüt. Doch die Wiedersehensfreude war verhalten: Schon im Vorfeld gab es Boykottaufforderungen. Der Film hätte ursprünglich am 23. Oktober in den heimischen Kinos anlaufen sollen, Sony nahm ihn jedoch ohne offizielle Begründung wieder aus dem Programm. In den USA erntete er negative Kritiken und wanderte schon nach wenigen Tagen ins Streaming. Hierzulande ist Ali Gs Comeback nun bei Amazons Prime Video zu sehen.
Dort versuchte Baron Cohen bereits vor einigen Jahren einen Wiederbelebungsversuch einer anderen Kunstfigur: des kasachischen Journalisten Borat. Doch schon der konnte der chaotischen Gegenwart nur mehr bedingt Relevantes entgegenhalten.
Im neuen Film sieht sich Ali G nun mit einer unerwarteten Situation konfrontiert: Seine Langzeitfreundin Julie (Morgana Robinson) ist schwanger – und nicht nur, wie er zunächst vermutet, ziemlich aufgebläht. Es muss also Geld her, um den neuen Erdenbürger zu versorgen. Und dafür hat der werdende Papa auch einen Plan: eine neue Staffel seiner „Ali G Show“ soll die Rettung bringen.
Das Paar reist daher in die USA, um einen Deal mit HBO abzuschließen. Ali G ist überzeugt, dass er damit etwas Gutes tun wird. Denn seit dem Ende seiner Show sei die Welt schließlich ziemlich vor die Hunde gegangen: „Es gab Covid, Kriege … und Ed Sheeran.“
Für die erste neue Folge hat er sich auch schon etwas überlegt, wie er dem Produktionsteam mitteilt: Es gebe ja so viele Probleme mit der Umwelt. Deshalb habe er sich für den Auftakt gedacht, „dass wir das regeln“. Von seinem neuen Bodyguard will er später wissen, ob dieser schon einmal für einen Kunden gestorben sei. Später macht sich Ali G über Tiktok lustig, flüstert in sein falsch eingestelltes Mikrofon und setzt seinem Interviewpartner Kopfhörer mit Katzenohren auf.
Das ist eigentlich ganz lustig – bis Baron Cohen in eine weitere Figur schlüpft: die des „Wokeness“-Professors Dr. Nira Cain-N’Degeocello, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Ali G wegen kultureller Aneignung zu canceln. Um für seine Sache zu werben, besucht der weiße Professor ein Treffen der Schwarzen Community in Oakland. Dort tritt er mit dem Gruß „Namaste“ ans Rednerpult, spricht über sein Buch „I have a better dream“ (in Anlehnung an Martin Luther King) und schafft es in kürzester Zeit, den ganzen Saal zu empören.
Um …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



