Kollektivvertrag Handel: Arbeitgeber bieten 2,1 Prozent

Wirtschaft

Auch in der zweiten Verhandlungsrunde um den Handels-Kollektivvertrag 2027 gab es am 3. November erwartungsgemäß keine Einigung. Zum Verhandlungsauftakt zwei Wochen zuvor hatten die Arbeitnehmervertreter der Gewerkschaft GPA ein Gehaltsplus von 3,8 Prozent gefordert. Nun liegt das Gegenangebot der Arbeitgeberseite vor: Diese bietet ein Plus von 2,1 Prozent und eine Einmalzahlung von 350 Euro an, wie die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mitteilt.

Basis für das Feilschen ist die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate von 3,3 Prozent. In den letzten drei Jahren haben die 120.000 Handelsangestellten und 19.000 Lehrlinge jeweils unter der Teuerung abgeschlossen, also einen Reallohnverlust hinnehmen müssen.

Neben der Gehaltserhöhung fordert die GPA heuer einen Zuschlag für Mehrarbeit ab der ersten Stunde, eine Zulage für das Einspringen und eine verbindliche 5-Tage-Woche. Weiters soll die 6. Urlaubswoche früher erreicht werden können.

GPA: „Angebot wird Lebensrealität der Beschäftigten nicht gerecht“

„Das heutige Angebot wird weder dem Einsatz noch der Lebensrealität der Beschäftigten gerecht“, sagt GPA-Verhandlungsleiterin Linda Keizer zum Gegenangebot. „Wir fordern ein verbessertes Angebot, das die Kaufkraft der Beschäftigten stärkt und die wirtschaftliche Faktenlage anerkennt.“

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, sieht hingegen in der vorgeschlagenen Einmalprämie von 350 Euro zusätzlich zur Tarifanpassung ein „wichtiges Signal der Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten im Handel“. Gleichzeitig würde sie die Unternehmen nicht „überfordern, wodurch Arbeitsplätze gesichert werden können“.

IHS-Bonin für „differenzierte Abschlüsse“

IHS-Ökonom Holger Bonin meinte zuletzt, er trete für „differenzierte Abschlüsse“ ein. Die Lage in der österreichischen Wirtschaft sei „sehr, sehr unterschiedlich“, sagte er in der ORF-„Pressestunde“. Im Handel sei man nach wie vor mit der steigenden Konkurrenz durch den Onlinehandel konfrontiert, „das Kaufverhalten der Bürgerinnen und Bürger hat sich massiv verändert“. Man müsse vermehrt auf die Produktivitätskomponente schauen.

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Die Forderung der GPA nach 3,8 Prozent Lohnplus sei „am oberen Rand dessen, was eben möglicherweise erfüllbar ist für Teile des Handels“. Man müsse damit rechnen, dass die Löhne im Handel über einen längeren Zeitraum nicht mehr nach oben gehen. „Am Ende müssen wir sehen, das wird ersetzt durch andere Dinge“, so würden etwa im Bereich der Freizeitindustrie „sehr dynamisch Jobs“ entstehen.

ÖGB verweist auf Kaufkraftverlust

Helene Schuberth, Bundesgeschäftsführerin des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), konterte umgehend. „In Österreich werden Kollektivverträge seit jeher nach Branchen verhandelt. Die jeweilige wirtschaftliche Lage wird dabei berücksichtigt“, so Schuberth. Gleichzeitig mussten die Lohnabschlüsse massive Kaufkraftverluste infolge der hohen Inflation ausgleichen, betonte sie.

Laut dem gewerkschaftsnahen Momentum Institut liegt das Lohnniveau im Handel deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Der mittlere Bruttostundenlohn von Angestellten liege bei 19,04 Euro, während er in der Gesamtwirtschaft 23,09 Euro betrage. Am niedrigsten sei er im Einzelhandel mit 17,40 Euro, beim Kassen-Personal sogar nur 15,52 Euro. Im Kfz-Handel und im Großhandel liegt er mit 23,62 Euro bzw. 23,64 Euro über dem Wert der Gesamtwirtschaft, rechnet das Institut vor.

In der WKÖ verweist man wiederum auf die hohen Kosten der Gehälter für die Arbeitgeber. Zudem seien die KV-Erhöhungen im Einzelhandel zwischen 2015 und 2025 mit fast 35 Prozent deutlich höher ausgefallen, als das reale Umsatzplus (15,2 Prozent), wie eine Untersuchung von Standort+Markt ergab.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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