Abschiedsschau der Belvedere-Chefin: Eine Fanfare aus allen Feminismus-Registern

Kultur

„Das Projekt der letzten zehn Jahre war, Künstlerinnen sichtbarer zu machen“, erklärte Stella Rollig am Mittwoch bei der Pressekonferenz zu jener Ausstellung, mit der sie einen breit facettierten Strich unter ihre zwei Amtszeiten als Belvedere-Direktorin zieht. 2017 angetreten, war die zuvor im Linzer Lentos tätige Kunstexpertin stets von einem feministischen Geist beseelt gewesen. Sie ließ nicht nur ihre Ausstellungsprogramme, sondern auch die Sammlungspolitik des Museums spürbar von dieser Geisteshaltung leiten.

Kristall der Kunsthistorie

Die Schau „Feminist Futures Forever“, die nun bis zum 8. März 2027 beide Etagen des Belvedere 21 füllt (Rolligs Nachfolgerin Nina Zimmer übernimmt am 16. 1.), ist nun ein Echo dieser Praxis, aber nicht nur: Das Team um die Kuratorinnen Stefanie Reisinger und Christiane Erharter setzt einen Bezugspunkt auch noch in der Schau „Kunst mit Eigen-Sinn“, die 1985 im selben Gebäude stattfand – das damals allerdings noch als „20er Haus“ hieß und zur Vorgänger-Institution des heutigen mumok gehörte.

Die Schau wurde mit Unterstützung der Frauenministerin Johanna Dohnal realisiert, von der Künstlerin VALIE EXPORT und den Kuratorinnen Silvia Eiblmayr und Heidi Grundmann gestaltet und vereinte namhafte Künstlerinnen der Zeit. Viele sind in „Feminist Futures Forever“ nun wieder vertreten, allen voran EXPORT selbst: Im Auftaktraum steht das „Geburtenbett“, eine Video-Skulptur, die 1980 das Herzstück des Auftritts der Künstlerin bei der Venedig-Biennale bildete.

Es ist nicht der einzige Kreis, der sich in der komplex gebauten, von zahlreichen Rück- und Querverweisen durchzogenen Schau schließt, und nicht der einzige Fall, in dem ein Kunstwerk als Kristallisationskern für ein anderes dient.

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So setzt etwa die Installation „Futurefeminismus“ von Anna Meyer im zentralen Atrium viel Sattelfestigkeit im feministischen Kanon voraus: Mit Ironie kombiniert die Künstlerin seit 2007 Zitate aus der Kunstgeschichte zu Bildtafeln, die sie als Malerei auf Plexiglasplatten ausführt. Es ist nicht nur aktivistisches Bildmaterial, sondern auch „Kunst über Kunst“, ebenso wie nebenan das gewundene Neon-Metall-Objekt „Spiral Betty“ von Rosemarie Trockel, das auf die männerdominierte Land-Art und Minimal-Art ebenso wie auf Verhütungsmethoden anspielt.

Erklärungen zu den vielen nicht selbsterklärenden Werken der Schau sind allerdings gut in spärlich verteilten Saalheften versteckt – deren Zahl aufzustocken, wäre wenig Aufwand und würde die Selbstorientierung doch stark erleichtern.

Es ist aber auch okay, in der Ausstellung, die zweifellos Mehrfachbesuche rechtfertigt, in den Biennalemodus zu schalten. Sprich: Die Überforderung zuzulassen und die vielen Werke (500!) als Teil einer Gesamtatmosphäre zu begreifen. 

Zumal sich neben dem „Geburtenbett“ auch Anna Jermolaewas Venedig-Beitrag von 2024 findet – man sieht Proben zu einem Schwanensee-Ballett, dessen politische Aufladung sich aber ebenso nicht universell erschließt. Auch ein Abguss der berühmten Glocke, die in Florentina Holzingers noch laufender Biennale-Bespielung von einer nackten Frau zum Klingen gebracht wird, steht bereits im Skulpturengarten des Belvedere 21: Man sieht sie von innen durch die Glaswände.

Der Kubus des Ausstellungshauses ist dabei lediglich ein möglicher Rahmen der Schau: Innen und außen wurden zudem Baugerüste errichtet, die teils praktische Funktionen erfüllen, teils aber schlicht symbolisch für einen „Umbau“ stehen. Die Gestalterinnen Dorit Margreiter Choy und Cosma Grosser seien dabei „dem Geist queer-feministischer Raumproduktion verpflichtet“, wie es im Infotext heißt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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