
Die Flugabgabe ist in schwere Turbulenzen geraten. Nach wochenlangem Lobbying der Luftfahrtbranche gemeinsam mit Touristikern und acht Landeshauptleuten ist eine Senkung ausgemachte Sache. Nicht das erste Mal, schon 2018 wurden der Tarif aus standortpolitischen Gründen halbiert. Zwei Jahre später für die Kurzstrecke deutlich erhöht. Gestritten wird noch um die Gegenfinanzierung.
Doch worum geht es bei der Abgabe eigentlich genau. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie hoch ist die Ticketsteuer und wer muss sie bezahlen?
Die Abgabe beträgt 12 Euro pro Flugticket. Für Kurzstreckenflüge unter 350 Kilometern werden 30 Euro fällig. Das betrifft etwa Flüge von Wien nach München oder Bratislava. Zahlungspflichtig sind die Fluggesellschaften. Diese können, müssen die Abgabe aber nicht ihren Passagieren weiterverrechnen. 85 Prozent der Österreicher fliegen maximal einmal im Jahr, etwa ein Fünftel aller Flüge sind Geschäftsreisen.
Wann und warum wurde sie eingeführt?
Die Flugabgabe wurde 2011 von der SPÖ/ÖVP-Regierung zur Budgetsanierung und als umweltpolitisches Lenkungsinstrument eingeführt. Vor allem kurze Flugreisen sollten verteuert werden, um die Bahn konkurrenzfähiger zu machen. Dahinter standen entsprechende EU-Vorgaben. Eine IHS-Studie bezweifelte schon vor der Einführung einen Lenkungseffekt, dafür sei die Abgabe zu niedrig. 2018 wurde die Abgabe halbiert (Kurzstrecke auf 3,50 Euro). 2020 wurde von drei auf zwei Tarife umgestellt, die Kurzstrecke auf 30 Euro erhöht.
Wie klimaschädlich ist das Fliegen?
Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) verursachen kurze Flüge bis 1.000 Kilometer pro Personenkilometer rund sechsmal so hohe CO2- Emissionen wie ein Reisebus und sogar 31-mal so hohe Emissionen wie das Bahnfahren. Die CO2-Emissionen basierend auf Kerosin sind von 1,8 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf rund drei Millionen Tonnen 2024 stark gestiegen. Sie machen damit etwa 13 Prozent der gesamten Emissionen des Verkehrs aus.
Welche Bedeutung hat die Luftfahrtbranche für Österreichs Wirtschaft?
Laut Verband der Österreichischen Verkehrsflughäfen (AÖV) erwirtschaftet der gesamte Sektor 2025 direkt und indirekt eine Wertschöpfung von 25 Milliarden Euro. Dies entspricht etwa 4,9 Prozent des österreichischen BIP. Etwa 241.500 Arbeitsplätze hängen an der Luftverkehrswirtschaft. Der Standortwettbewerb zwischen den Flughäfen in der EU ist groß.
Haben auch andere EU-Länder eine Flugabgabe und wie wirkt sie sich dort aus?
Ja, derzeit haben acht EU-Länder Flugabgaben, wobei Deutschland, Frankreich oder die Niederlande deutlich höhere Tarife einheben. In Deutschland wurden Passagierrückgänge in den ersten Jahren nach Einführung von 6 bis 11 Prozent wissenschaftlich nachgewiesen, in Frankreich und den Niederlanden sind keine Auswirkungen bekannt. Die Slowakei, Ungarn oder Tschechien verzichten auf die Steuer und locken damit vor allem Billigairlines an. Wie viele österreichische Passagiere wegen der 12 Euro von Bratislava statt Wien abfliegen, ist nicht bekannt.
Wie entwickeln sich die Passagierzahlen?
Laut AÖV sank die Passagieranzahl in Österreich von Jänner bis September 2026 um 3,8 Prozent auf 26,7 Millionen, wobei 23,4 Millionen auf Wien entfielen. Dort gab es ein Minus von 4,5 Prozent, was auch auf den Iran-Krieg zurückzuführen war. In Linz um 13 Prozent. Die Flughäfen Innsbruck und Salzburg verzeichneten jedoch Zuwächse um jeweils rund 5 Prozent.
Wie wichtig ist die Flugabgabe fürs Budget?
Das Finanzministerium erwartet für 2027 Einnahmen in Höhe von 190 Millionen Euro. Rund 68 Prozent davon gehen an den Bund, 20 Prozent an die Länder und zwölf Prozent an die Gemeinden.
Wird die Luftfahrtindustrie …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



