
Es ist eine der berühmtesten Unterschriften der Welt. Ein leicht zittriger Schriftzug, aber ein schwungvolles J zu Beginn, am Ende ein h, das sich schon wieder fast aus dem Staub machen will: Janosch. Der Name steht unter so vielen Bildern und Geschichten, die ein Kinderleben ein bisschen interessanter machen können. Und er passt gut zum dazugehörigen Künstler: Von Anfang an vom Leben gebeutelt, aber trotzdem nichts an Verschmitztheit verloren.
Dabei war Janosch gar nicht der wirkliche Name des Mannes, den alle als Janosch kennen. Der hieß nämlich Horst Eckert. Aber als er den ersten Termin bei seinem Verleger hatte, wartete dieser eigentlich auf einen Janosch. Und er sagte kurzerhand zu Eckert: „Du heißt jetzt so.“ Was kann der Janosch dafür, dass diese Legende wie eine Geschichte klingt, die Janosch erfunden hat.
Ahnungslos philosophisch
Die berühmteste Geschichte, die Janosch erfunden hat, heißt „Oh wie schön ist Panama“. In ihr machen sich Tiger und Bär, begleitet vom Nachziehspielzeug Tigerente, auf den Weg nach Panama. Sie fragen eine ganze Reihe wohlmeinende, aber ahnungslose Tierkollegen nach dem Weg, bekommen teils sehr philosophische Antworten („Es gibt hundert und tausend Wege“, postuliert die Krähe) und landen deshalb am Ende da, wo sie hergekommen sind: bei ihrem eigenen gemütlichen Häuschen.
Die Geschichte brachte Janosch 1978 den internationalen Durchbruch. Dabei war sie eigentlich ein „Racheakt“: Janosch hatte die „Schnauze voll“ von Kinderbüchern, die sich nicht verkauften, war frustriert, weil er (dreimal) von der Kunstuni in München geflogen war, und wollte der Welt nun ein „Kitschbuch“ überantworten. Das Rezept dafür: Es brauchte einen „Kuschelbären“, der einen Freund hatte und auf eine Reise ging „und schon fangen die Weiber an zu heulen“, so Janoschs knallharte Leserinnenanalyse. In einer der raren Interpretationen seiner eigenen Werke sagte er über „Panama“: „In einem schönen Irrtum lebt man besser als in einer schlechten Wahrheit“ – und tiger-bäriger kann man die Welt eigentlich nicht sehen.
Die Idee, dass die beiden Panama suchen, kam ihm bei einem Cuba Libre auf Ibiza. Auch wenn Janosch in seiner typischen Art, die zwischen Plausibilität und Flunkern changierte, gern erzählte, dass seine Geschichten nur Anschub von einem kleinen Gläschen brauchten, spielte Alkohol in seinem Leben auch eine dünklere Rolle. Für ihn selbst, aber auch schon in seiner Kindheit in Oberschlesien, heute Polen, wo Eckert 1931 geboren wurde: Sein Vater war ein gewalttätiger Mensch, eines Tages, so erzählte Janosch, sagte er, es sei nun Zeit, den Sohn zu erziehen. Dabei packte er eine lederne Peitsche aus. „Er schrie immer: ,Ich schlag euch alle tot.’ Weil er aber auch immer betrunken war, wusste man nicht, ob er das ernst meint.“
Katholischer Unfall
Auch die Mutter prügelte den jungen Horst. Das Ende des Zweiten Weltkriegs habe er daher als große Befreiung erlebt: „Der Vater war nicht da, die Mutter hatte anderes im Kopf, als mich zu schlagen, die Hitlerjugend gab es auch nicht mehr, um mich zu unterdrücken. Und die Kirche war auch abgebrannt.“ Seine strenge katholische Erziehung war ein weiteres – auch provokant in Bildern verarbeitetes – Trauma: „Katholisch geboren zu sein, ist der größte Unfall meines Lebens“. In …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



