
Wer erbt, arbeitet weniger. Das ergibt eine neue Analyse des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts, die sich auf Daten der Nationalbank stützt. Das Institut hat erfasst, dass Österreicher im Schnitt 35,9 Stunden pro Woche ihrer hauptberuflichen Arbeit nachgehen. Über (fast) alle Vermögenszehntel hinweg leisten Personen mit Erbschaft jedoch durchschnittlich weniger Wochenstunden Arbeit (34,7 Stunden) als jene ohne Erbschaft (36,6 Stunden). Auf das ganze Jahr gerechnet, sollen Erbende insgesamt 102 Stunden weniger an Erwerbsarbeit leisten.
Die geringste durchschnittliche Arbeitszeit (32,5 Stunden) verorten die Daten unter den Erbenden in den untersten zwei Vermögenszehnteln, obwohl das Median-Erbe pro Kopf laut Institut nur 5.672 Euro betrage. Nicht-Erbende arbeiten in diesen Vermögenszehnteln 34,5 bzw. 36,1 Stunden pro Woche.
Der einzige Ausreißer: Das vierte Vermögenszehntel
Nur an einer Stelle arbeiten Erbende mehr als Personen, die kein Erbe bezogen haben – und zwar im vierten Vermögenszehntel. Hier verbringen Personen mit Erbe im Schnitt 38,2 Stunden pro Woche in ihrem Hauptjob – die insgesamt höchste erfasste durchschnittliche Wochenarbeitszeit. Personen ohne Erbe arbeiten hingegen „nur“ 37,6 Stunden.
Warum genau dieses Vermögenszehntel einen Ausreißer darstellt, lässt sich auf KURIER-Nachfrage aus den Daten nicht interpretieren, so das Momentum Institut. Am wahrscheinlichsten wäre die Erklärung, dass diese Personen sich zusätzlich zur Erbschaft ein eigenes Vermögen aufbauen wollen. Das geerbte Vermögen beträgt pro Kopf in diesem Bereich 21.649 Euro (Median). Mit zusätzlichem Vermögen könnte man beispielsweise am Sprung sein, genug Eigenmittel für eine Immobilie anzuhäufen.
Dass im oberen Vermögenszehntel mit Erbschaft deutlich weniger gearbeitet wird als ohne, suggeriere wiederum, dass bereits genug Vermögen vorhanden und der Anreiz zu gering ist, dieses mit Erwerbsarbeit aufzustocken.
Eigentum und Arbeitszeit hängen zusammen
Nicht nur das Erbe, auch Eigentum wirkt sich auf die Arbeitszeit aus. Personen, die zur Miete wohnen, verbringen mit 36,6 Wochenstunden im Schnitt am meisten Zeit in der Arbeit. An zweiter Stelle stehen mit 35,6 Wochenstunden jene Personen, die ihr Eigenheim selbst finanziert haben. Wer Eigentum geerbt hat, verbringt im Schnitt 34,5 Wochenstunden mit Erwerbsarbeit.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



