
Der Weltuntergang ist im Lauf der Geschichte schon oft angekündigt worden. Jetzt scheint er wieder einmal unmittelbar bevorzustehen. Doch halt: So flink sind die apokalyptischen Reiter auch diesmal nicht. Ihnen kommt dauernd etwas dazwischen. „Nicht aufgeben!“ lautet daher das Motto der Performance „Apokalypse – wir sinken nicht“, uraufgeführt am Montag im Theater in der Drachengasse.
Gesa Bering und Stephan Dorn, die als Kollektiv Dorn°Bering bereits mit der tollen Performance „Fliegen ist die beste Superkraft“ hier zu sehen waren, hat sich nun der Hochkonjunktur der Endzeitstimmung verschrieben. Die Welt ist – wieder einmal – gebeutelt. Krisen, wohin man blickt, Problemlösung nicht in Sicht. Von den Dinosauriern, die die Untergangserfahrung bereits gemacht haben, hat die Menschheit auch nichts gelernt. Überleben werden, das steht fest, nur die Algen. Denen wir als Menschen komplett gleichgültig sind. „Haben Sie etwa noch nicht bemerkt, dass Alge ein Anagramm von egal ist?“
Nichts als einen großen Schreibtisch (Bühne, Kostüme: Mira König) brauchen Bering und Dorn für diese doch nicht letzten Stunden der Menschheit. Aus dessen Laden holen sie immer wieder Gegenstände. Etwa eine kleine blaue Kugel – die Welt. Man wirft sie in eine Schüssel, das Universum. Noch bewegt sie sich darin, mal sehen, wie lange.
Als erzählerischer Rahmen dieser äußerst schlauen Apokalypse-Abhandlung dient eine Radioshow –„Radio Kalypse. Hier ist ihr Endzeitsender. Wir reiten mit euch in den Sonnenuntergang. Wir senden, bis es aus ist“. Passend dazu die Vorhersage: „Das Wetter morgen: Sintflut.“ Was tun in den letzten Stunden vor dem Untergang? Sicher nicht, wie Martin Luther behauptet hat, noch ein Bäumchen pflanzen. Hätte ohnehin kein Baumarkt mehr offen. Lieber Schulden machen und ungesund essen. Die Untergangsüberlegungen werden auch akustisch illustriert. Vor der Sintflut kommt bekanntlich die Feuerbrunst. Wie hört sie sich an? Wie knisterndes Stanniolpapier, ganz nah an einem Mikro. Überzeugend. Aber: „Bisher hat die Menschheit alle Prognosen überlebt. Wieso sind wir noch da?“
Das könnte auch an den apokalyptischen Reitern liegen. Hier symbolisiert von vier verschiedenen Haushaltsgeräten. Die allerdings recht unzuverlässig sind und noch dazu untereinander streiten. Vor allem über die zeitlichen Abläufe ist man sich nicht klar. Und dann sind da noch das Lamm Gottes und das Buch mit den sieben Siegeln, die untergebracht werden wollen. Nein, so wird das nichts. Die Apokalypse hat keine Zukunft! Und wenn doch: „Wehe, einer von euch überlebt!“
Am Ende dieser klugen, lustigen und letztlich auch sehr rührenden Performance sitzt Stefan Dorn ein bisschen erschöpft am Schreibtisch und pfeift so schön falsch wie selbstvergessen „I Don’t Want to Miss a Thing“ von Aerosmith. Eine großartige Ode an das Menschsein, dieser Abend.
Source:: Kurier.at – Kultur



