
Wenn man an heimische TV-Ermittlerinnen denkt, landet man rasch bei Angelika Schnell. Neun Staffeln „Schnell ermittelt“ hat Ursula Strauss bereits gedreht. Dennoch fand sie nun Zeit und Lust für das neue Krimiprojekt „Tiroler Blut“. Warum?
„Ich wurde beim Lesen der Bücher sofort reingesogen und hab’ gemerkt, mein Bauch fängt zu klingeln an“, sagt Strauss. „Ich habe mich kurz davor gefürchtet, schon wieder eine Ermittlerin zu spielen, und ob ich es schaffe, eine ganz andere Figur zu erzählen. Aber dann hat mich genau das gereizt.“ Bei den beiden Sets habe sie die jeweils andere Rolle total vergessen, weil sie die beiden als vollkommen konträr sieht: „Die eine lebt in der Anonymität der Stadt und kommt zu Fällen, bei denen sie die Leute nicht kennt. Dadurch hat Angelika einen unverstellten Blick. Wogegen Fanny Gruber eine sehr familiengeerdete, auf dem Land lebende Person ist, die die meisten Menschen, die in die Verbrechen involviert sind, kennt – was dazu führt, dass sie viel weniger professionelle Distanz einnehmen kann. Das führt zu großer innerer Spannung.“
Gleich im ersten Fall „Der erste Schuss“ (siehe rechts) wird Fanny Gruber persönlich stark involviert. Sie wirkt als Bindeglied einer über drei Generationen gewachsenen Polizistenfamilie, die gemeinsam unter einem Dach lebt.
Theater-Star
Schauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf, der in Österreich zuletzt seltener zu sehen war, spielt Großvater Gruber. „Ich hab mich gefürchtet“, sagt Strauss, „weil er ein großer Kollege ist. Als ich angefangen hab’, in Wien meine ersten Schritte am Theater zu machen, war er ein absoluter Star am Burgtheater. Aber dann war es am Set von Anfang an eine ganz natürliche, coole Begegnung und es ist superspannend, weil er irrsinnig viel zu erzählen hat. Lustige Geschichten, aber teilweise auch oarge Sachen.“
Sprachlich nähern sich der Deutsche und die Niederösterreicherin nicht ans lokale Idiom an. Strauss dazu: „Es gibt einen deutschen Koproduktionspartner. Tirolerisch würde im deutschen Fernsehen keinen Sinn haben, weil es nicht verstanden wird. Außerdem können wir kein tirolerisch. Ich würde mich genieren, wenn ich den Tirolern einen schlecht nachgemachten Akzent antun würde. Und so wurde beschlossen, dass wir alle Hochdeutsch miteinander reden.“
Die ersten beiden Fälle drehen sich um gesellschaftlich relevante Themen. Strauss hofft sehr, dass das so bleibt, und glaubt auch, „dass das die Farbe dieser Reihe ist“. In Teil 2 („Am Abgrund“, 12. Oktober) geht es um Overtourism und Immobilien, während beim Auftakt heute häusliche Gewalt thematisiert wird.
Strauss findet es „grundsätzlich superwichtig, dass das Thema auch in der Fiktion behandelt wird und nicht totgeschwiegen wird, schon allein, weil ich mich für die ,Orange the World‘-Kampagne ehrenamtlich einsetze.“ Es gehe ihr darum, „jahrhundertelange Ungerechtigkeiten zu beseitigen und sich gegen die Ausübung von Gewalt zu stemmen. Sehr viele Männer gehen noch immer davon aus, dass ein Frauenkörper ihr Besitz ist. Da ist es wirklich endlich Zeit zu sagen: Nein, stopp, das ist nicht gerecht und nicht menschlich. Ich finde auch, dass viel zu wenig Männer sich laut empören, wenn Gewalt gegen Frauen passiert.“
Im TV-Krimi scheint der Fall nicht ganz so klar zu sein, „Drehbuchautor Christian Jeltsch hat hier wirklich eine Vielschichtigkeit geschaffen“, sagt Strauss. …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



