Doku-Filmemacher Erwin Wagenhofer: „Kritik ist nicht erwünscht“

Kultur

Er ist ein unermüdlicher Chronist der Gier und der Ungerechtigkeiten auf der Welt. Dokumentiert seit Jahrzehnten den zerstörerischen Einfluss des Kapitals auf Umwelt und Menschen und wie dieser langsam, aber sicher alle Lebensbereiche durchsetzt. Mit „We Feed the World“, seiner fesselnden Doku über die Massenproduktion von Lebensmitteln und dem Geschäft damit, gelang Erwin Wagenhofer im Jahr 2005 der Durchbruch. Inzwischen ist Wagenhofer 63 Jahre alt und ist seinem Idealismus und seinen Themen treu geblieben.

Schon als Kind, so erzählt er, habe es ihn gewurmt, wenn jemand für den Vorteil eines anderen draufzahlen musste. „Ich komme nicht aus einer Familie, die grün oder alternativ war, aber was in unserer Familie immer ein Thema war, war das Aufstehen gegen Ungerechtigkeit. Mein Vater war ein Sozialdemokrat der alten Schule, wie es sie heute nicht mehr gibt. Er hat sich immer für Schwächere eingesetzt.“

Das erste Fremdwort, das der kleine Erwin gelernt hat, war Solidarität. „Wegen der Gewerkschaftszeitung, die so hieß und immer bei uns daheim herumlag.“ Die Ungerechtigkeit gegenüber der Natur sei für ihn nichts anderes als die gegenüber Menschen: „Es ist so schlimm und absurd, wenn wir wissend unsere Lebensgrundlage zerstören.“

Seit 2020, seit Corona und dem damit verbundenen Stillstand hat Wagenhofer an „Atmosphere“, seiner neuen Dokumentation über Menschen, die sich der Umweltzerstörung und Profitgier entgegenstellen, gearbeitet. „In der Zeit des Lockdowns habe ich begonnen, den Film auszuarbeiten. Gedreht haben wir dann von März 2023 bis Dezember 2024.“

Fast zwei Jahre habe dann noch die Postproduktion gedauert, davon eineinhalb Jahre Schnitt. Eine sehr lange Zeit. Das weiß er auch. „Für den nächsten Film habe ich meiner Frau versprechen müssen, dass er nicht so lange dauert.“

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„Atmosphere“ (ab Freitag im Kino), der Titel von Wagenhofers Film, lässt sich auf zwei Arten deuten: als die schützende Atmosphäre, die die Erde umgibt und die wir verteidigen müssen. Aber auch als die schützende Atmosphäre des Miteinanders, das wir Menschen brauchen, um überleben zu können. Wagenhofer hat nach Menschen gesucht, die neue Wege beschreiten, um Dinge nicht nur für sich, sondern für die ganze Gesellschaft zu verbessern.

Er fand sie im Schweizer Forscher und Agronomen Ernst Götsch, der in seinem aufgeforsteten Stück Land im brasilianischen Regenwald zeigt, wie man tote Erde wieder belebt und urbar macht. In Martin Rauch, einem Vorarlberger Lehmbauexperten, der nachhaltiges Bauen abseits von Beton und Stahl perfektioniert hat.

In der deutschen Künstlerin und Aussteigerin Maria Giménez, die in Berlin-Brandenburg ausgelaugte Äcker in blühende Landschaften verwandelt; und in einem Astronomen in der chilenischen Atacama-Wüste, Alain Maury, der unserem Planeten trotz nachhaltiger Schädigung durch Menschenhand gute Chancen gibt.

Schließlich existiere die Erde seit 55 Millionen Jahren und werde daher auch nicht so schnell verschwinden. Wagenhofer fährt zu seinen Protagonisten, nimmt sich Zeit für sie und das, was sie tun. Er hört zu, er staunt, er lernt.

Am aufwändigsten, aber auch am beeindruckendsten war für ihn der Besuch bei Ernst Götsch, dem Schweizer in Brasilien, der mit seiner Energie und seinem unerschöpflichen Wissen ein tot geglaubtes Stück Regenwald vier Stunden von Salvador de Bahia entfernt in ein grünes Paradies verwandelt hat. „Er hat so ein …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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