Wie Doris Bures doch nicht Parteichefin geworden ist

Politik

Haben sie einander wirklich Brüllduelle geliefert?

Genossen, die am Sonntag an der Krisensitzung der SPÖ in einem Wiener Innenstadt-Hotel teilgenommen haben, erzählen derlei.

Gesichert ist durch Augen- und Ohrenzeugen, mit denen der KURIER sprechen konnte, so viel: Die Sitzung war hochdramatisch, sie war kurz vor dem Abbruch – und das aus mehreren Gründen.

Der eine ist hinlänglich bekannt: Noch–SPÖ-Chef Andreas Babler weigerte sich bis zuletzt wortreich, sofort und aus allen Parteifunktionen zurückzutreten.

Abgesehen davon hatten die Vertreter der Landesparteien (darunter NÖ, die Steiermark und Kärnten) ein anderes, veritables Dilemma zu lösen: Der ursprüngliche Plan, die dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures zur Parteichefin zu machen, auf dass diese der Partei wieder Disziplin verordnet, scheiterte an einem Regiefehler: Man hatte sich in den Ländern zwar auf Bures geeinigt, die Rechnung aber ohne die Kandidatin selbst gemacht.

Gegenüber dem KURIER heißt es, Bures habe schon am Samstag im Rahmen der Wiener Koordinierungssitzung Michael Ludwig unter vier Augen klargemacht, dass sie als Parteichefin nicht zur Verfügung steht.

Als dann die Parteichefs der Landesparteien am Sonntag bei Bures anriefen, landeten sie auf der Sprachbox. Der Grund: Bures war nicht mehr in Wien, mehr noch: Sie war nicht einmal mehr in Europa.

Tatsächlich befand sich die Genossin bei der 153. Versammlung der Interparlamentarischen Union IPU. Und weil diese in Tansania, genauer: in Arusha, tagt, hatte die einflussreiche Liesingerin eine vernünftige Erklärung dafür, warum sie am Sonntag das Handy nicht abhob.

Während sich Bures in Afrika der „Stärkung von Gemeinschaften durch mehr Inklusion, Vertrauen und Chancen für alle“ widmete, mussten die Länderchefs eine Alternative finden. Und so entstand recht kurzfristig die Idee der Zweier-Spitze, die Babler statutarisch ab morgen, Donnerstag, mit Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher zur Seite gestellt werden soll.

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Ganz herausnehmen will sich Bures aus der für morgen angesetzten Vorstandssitzung der SPÖ übrigens nicht: Sie bricht die Dienstreise vorzeitig ab und nimmt selbst an der Vorstandssitzung teil.

In der Zwischenzeit hat sich Andreas Babler mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit gewandt. In dem fast vierminütigen Clip hebt er, kurz gesagt, noch einmal die eigenen Leistungen hervor.

Er habe die Partei demokratisiert, sei „so viel wie kaum jemand zuvor unterwegs gewesen“ und habe die SPÖ in die Regierung gebracht. Babler bezeichnet die Krisensitzung vom Sonntag als „großes Treffen“. Und bei diesem habe er einen Gedanken deponiert: „Es darf nicht um die Egos einzelner Personen gehen.“ Seine Demission spricht er nur indirekt an. „Seit Jahrzehnten hat es keine geordnete Übergabe mehr in der Partei gegeben.“ Das sei „ein Riesenerfolg“.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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