Kabarett? Nein. Theater? Ja. Poesie? Und wie.

Kultur

Dies ist keine Rezension, weil eine Basis für den Abend Kolumnen sind, die im KURIER am Sonntag erscheinen und jede Wertung daher eine gewisse Subjektivität enthielte. Noch dazu war der Autor dieser Zeilen von Beginn an in die Entwicklung dieser Kolumnen dahingehend eingebunden, als er, vom Konzept überzeugt, den Raum dafür schuf und mit der Künstlerin in regelmäßigem thematischen Austausch steht. Daher ist seine Subjektivität besonders groß – und er wurde am Ende sogar als einer der Unterstützer auf die Bühne gebeten. Keine Rezension also.

Dafür aber eine Empfehlung in höchstem Maße für ein Programm, das bei seiner offiziellen Premiere die Besucher im (ausverkauften) Wiener Volkstheater zu Begeisterung und sogar zu Standing Ovations hinriss.

Aida Loos brachte „freudloos“ auf die Bühne – ein Stück, das sich aus den alternierend erscheinenden Kolumnen „freudloos“ und „freudvoll“ sowie aus einigen anderen Texten von ihr speist und das mehr als zwei Stunden reiner Spieldauer von ihrer mitreißenden Intensität, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit getragen wird. Das sie als Solostück selbst szenisch eingerichtet hat, nur mit einem lila Fauteuil auf der Bühne – und das vor der Stattfindung noch einen Letztschliff durch Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky bekam. Für den (unwahrscheinlichen) Fall, dass Sie die Kolumnen nicht regelmäßig lesen: In „freudloos“ gibt Aida Loos die fiktive Ururenkelin von Sigmund Freud und als solche Therapiestunden, in „freudvoll“ erzählt sie von ihren eigenen Erlebnissen, von denen manche nahtlos zur Therapie führen könnten.

Das Leben – eine Therapie

Auf der Bühne vereint sie nun diese beiden Ansätze, durchmischt Therapeutin und Protagonistin, es wird erlebt, therapiert, erlebt usw. Und alles ist von einer beeindruckenden Beobachtungsgabe und Präzision durchdrungen, die auch ihre Kolumnen auszeichnen. Der Abend beginnt mit den Spice Girls und endet mit Jacques Brel (ja, sie singt auch und sie tanzt), dazwischen geht es um Wien, um Teheran, um Ambros und den Ayatollah, um Kleingärten und große Themen unserer Zeit.

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Ist es Kabarett, was die Besucher da erleben? Nein, nicht wirklich, Aida Loos ist letztlich keine Kabarettistin, vielmehr Philosophin, Sprachforscherin wittgenstein’scher Prägung mit viel Humor, Internistin der Psyche und Seziererin.

Ist es Theater? Ja, weil hier eine Geschichte auf ganz vielen Ebenen mit dramaturgischer Kraft erzählt wird.

Ist es Poesie? Definitiv.

Ist es lustig? Sehr.

Ist es traurig? Und wie.

Aber wie gesagt: Keine Kritik. Daher selbst ein Bild machen. Am 22. Jänner im Globe.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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