„Romeo und Julia“ am Landestheater: Liebesdrama und Liebesbriefe in Linz

Kultur

Von Werner Rohrhofer

Es ist ein merkwürdiger Theaterabend im Linzer Schauspielhaus: Shakespeares „Romeo und Julia“ in der Inszenierung von David Bösch. Vor der Pause teilweise überdreht, manchmal nahe an der Persiflage mit kabarettistischer Note. Im zweiten Teil dicht, emotional und stringent. Insgesamt zwiespältig, so, als hätte sich Regisseur Bosch nicht recht entscheiden können, wie er den Klassiker der Liebe ins Heute übertragen soll.

Apropos Liebe: Das Landestheater hatte die Linzerinnen und Linzer ersucht, persönliche Liebesbriefe einzuschicken. Rund 300 langten ein, humorvolle, traurige, berührende. Einige davon werden bei der Aufführung vorgelesen.

Bösch, international renommierter Regisseur, ist für Außergewöhnliches bekannt und dafür, die engen Bühnengrenzen zu sprengen. So auch hier. Die Schauspieler agieren von Beginn an nahe am Publikum und sprechen dieses direkt an. Die Truppe rund um Romeo (Lukas Spinka), Mercutio, Benvolio und Tybalt gehört anfangs in die Kategorie Veroneser Rauf- und Saufbrüder mit der Lieblingsbeschäftigung Fechten. Akrobatisch bis komödiantisch, jedenfalls gekonnt turnen die Darsteller durch die Fechtszenen. Nur Romeo schmachtet nach einer Rosalinde, die er aber vergisst, sobald er Julia (Gemma Vannuzzi) zum ersten Mal sieht.

Fest mit Totenmasken

Dies geschieht bei einem Fest der Capulets, wobei alle Gäste Totenmasken tragen und damit die Tragik der Situation verdeutlichen. Nicht deutlich wird, warum Teile der Bühne unter Wasser stehen, das später vom Ensemble mit Besen und Tüchern beseitigt werden muss. Vielleicht liegt es am kühlen Ambiente – auf der Bühne gibt es nichts als neonbeleuchtete Metallstangen – oder an der Todespräsenz, jedenfalls werden die Emotionen zwischen Romeo und Julia im ersten Teil dem Anspruch der größten Liebesgeschichte der Theaterliteratur nicht gerecht. Manche Liebesbriefe aus dem Theatervolk sind emotionaler.

  „Ich bin für die klare Linie“: Künstler Reimo Wukounig verstorben

Nach der Pause ist die Szenerie unverändert, ergänzt nur durch den Sarg Tybalts. Und der „Balkon“ – auf und ab zu bewegende Metallstangen mit orangen Vorhängen – rückt in den Mittelpunkt. Die berühmte Abschiedsszene zwischen Julia und dem verbannten Romeo wird zum emotionalen Erlebnis, ebenso die Tragödie rund um den Scheintod Julias und den Selbstmord von ihr und Romeo. Am Schluss bleibt die Inszenierung wieder nahe an der Intension Shakespeares: zu zeigen, wohin Feindschaft und Hass führen, die Liebe aber über den Tod hinaus bestehen bleibt.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.