VAE überraschen die Welt: Vize-Außenministerin soll UN-Chefin werden

Politik

Mehrere geheime Probeabstimmungsrunden sind bereits gelaufen. Doch jedes Mal, wenn sich die Delegierten der 15 Mitglieder im Sicherheitsrat zusammensetzten, um unter den bisherigen Kandidatinnen und Kandidaten einen Nachfolger von UN-Generalsekretär António Guterres zu küren, hieß es von einer der Vetomächte: Nein. Selbst die bisherige Favoritin, Costa Ricas Ex-Vizepräsidentin Rebeca Gryspan, kassierte von zwei der fünf Veto-Staaten im Sicherheitsrat eine Abfuhr.

Und dann kam die Überraschung: Eine neue Kandidatin wurde gleichsam aus dem Hut gezaubert. Möglich ist dies, weil jeder Staat ohne zeitliche Fristen jemanden nominieren kann. Und so präsentierten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) diese Woche offiziell ihre Vize-Außenministerin Lana Zaki Nusseibeh als potenzielle Kandidatin für das höchste Amt in der UNO.

Zahlreiche UN-Mitgliedstaaten haben erstmals gefordert, dass eine Frau die Institution leitet, wenn António Guterres, ein ehemaliger Premierminister Portugals, nach seinem Jahrzehnt als Generalsekretär zum Jahresende zurücktritt.

Die Kür der 47-jährigen früheren UN-Botschafterin der VAE wäre eine Sensation: eine Frau, eine Muslimin, die Vertreterin eines Golfstaates und noch dazu die jüngste Person an der Spitze der Vereinten Nationen seit Jahrzehnten.

Rückendeckung durch die USA

Dass die VAE, ein Zusammenschluss von sieben Emiraten (u. a. Abu Dhabi und Dubai), an deren Spitze erbliche Monarchen stehen, überhaupt jemanden, und noch dazu eine Frau, nominierten, kann kaum ohne die Ermunterung der USA geschehen sein.

Die VAE sind enge Verbündete der USA und kooperieren mit ihnen im militärischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Bereich. Der Iran ist ein gemeinsamer Feind, ihren bilateralen Handel haben die VAE mit Washington in den vergangenen Jahren massiv aufgebaut. Und als erster Golfstaat haben die VAE im Rahmen der von US-Präsident Trump vorangetriebenen Abraham-Verträge bereits 2020 offiziell diplomatische Beziehungen mit Israel aufgenommen.

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Und auch von Seiten der Vetomächte China und Russland hätte Lana Zaki Nusseibeh wenig Widerstand zu erwarten, mit beiden Staaten haben die VAE gute Beziehungen.

Doch unumstritten ist die Rolle der VAE in der Welt nicht: Widerstand kam sofort aus dem Sudan, zumal die VAE im afrikanischen Land als finanzkräftige Unterstützer der gegen die Regierung kämpfenden „Rapid Support Forces“ gelten. Den Krieg im Sudan bezeichnet die UNO als die schlimmste humanitäre Krise der Welt. „Die Kandidatin ist ein großer Teil der Propagandamaschine, die die VAE nutzen, um ihr Image zu beschönigen“, schimpfte ein hochrangiger sudanesischer Diplomat. Auch in Libyen sollen die VAE wiederum General Haftar unterstützen, im Jemen stehen sie an der Seite der Saudis gegen die Houthis.

Die zum Teil in Großbritannien aufgewachsene Lana Zaki Nusseibeh stammt aus einer bedeutenden palästinensischen Familie in Jerusalem, die seit Jahrhunderten für das Öffnen und Schließen der Türen der Grabeskirche, einer der heiligsten Orte des Christentums, verantwortlich war. Ihr Vater, der in London studiert hatte, konnte nach dem Krieg von 1967 nicht nach Jerusalem zurück und zog in die VAE. Dort wurde er ein wichtiger Berater von Scheich Zayed al-Nahyan, dem Gründervater der Emirate.

Bei der nächsten Probeabstimmung in der UNO wird sich zeigen, wie gut die Chancen für die Spitzendiplomatin aus den VAE wirklich stehen. Überraschend stark gesunken sind hingegen die Chancen für den Argentinier Rafael Mariano Grossi, den Generaldirektor der in Wien angesiedelten Internationalen Atomenergieorganisation. Grossi hatte seinen Wahlkampf …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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