GPA-Chefin Teiber: „Die Teilzeitquote muss sinken“

Politik

Barbara Teiber, Chefin der GPA , der größten Teilgewerkschaft im Gewerkschaftsbund, über die Veränderungen, die KI in der Arbeitswelt auslöst, mögliche Selbstbehalte bei der Gesundheitskasse – und den Zustand der SPÖ:

KURIER: Frau Teiber, als eine der führenden Sozialdemokratinnen vorweg die Frage: Hat sich die SPÖ mit dem vergangenen Wochenende einen Gefallen getan?

Barbara Teiber: Abgesehen von der schwierigen Ausgangslage war der Sonntag ein guter Tag für die Sozialdemokratie.

Inwiefern?

Das Problem der letzten zehn Jahre bestand unter anderem darin, dass wichtige Beteiligte selten an einem Strang gezogen haben. Das ist seit Sonntag anders, sehr positiv, und darauf kann man aufbauen.

Dann kommen wir zum Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenzahl ist im September weiter gestiegen. Der Anstieg geht ausschließlich auf eine Zunahme bei den Frauen zurück, in der Gruppe der über 60-Jährigen sieht die Situation dramatisch aus. Wie sollte die Politik gegensteuern?

Die Zahlen belegen, dass die Arbeitslosigkeit bei den über 55-Jährigen überproportional angestiegen ist. Deshalb haben wir uns als Gewerkschaft dafür eingesetzt, dass es aus dem „Arbeiten im Alter“-Paket noch einmal 100 Millionen Euro gibt, um Altersarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Damit ist die Sache freilich nicht getan. Drei Viertel aller Betriebe haben überhaupt keine Über-60-Jährigen angestellt, jede dritte Frau geht aus dem Krankenstand oder der Arbeitslosigkeit in Pension. Angesichts dieser Fakten ist es zynisch, das gesetzliche Pensionsantrittsalter anheben zu wollen. 

Die Wirtschaft würde einwenden: Für viele Jobs gibt es zu wenige Interessenten, also: Die Jobs wären ja da, aber die Leute fehlen …

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Das ist oft eine Frage der Arbeitsbedingungen. Betriebe, in denen diese stimmen, finden durchaus Personal. Aber wenn Überstunden und permanentes Einspringen normal sind, weil die Personaldecke zu dünn ist, wird’s schwierig. Was uns Sorgen bereitet, ist, dass sich viele Betriebe aus der Aus- und Weiterbildung zurückziehen. Gerade die Unternehmen, die gerne „weniger Staat!“ rufen, überlassen die Ausbildung der Allgemeinheit. Genau deshalb schlagen wir als Gewerkschaft Modelle vor, von denen Unternehmen, die ausbilden, profitieren. Das ist wie bei der Forderung eines Bonus-Malus-Systems für Ältere: Wer Älteren eine Chance gibt, soll als Arbeitgeber profitieren. Wer das nicht tut, wird bestraft.

Sind Strafen der richtige Weg?

Wir haben von den vergangenen Regierungen ein Rekordbudgetdefizit geerbt. Wenn neoliberale Arbeitgeber behaupten, der Staat habe ein Ausgabenproblem, wird es nicht leistbar sein, vorbildliche Arbeitgeber zu fördern, ohne schwarze Schafe zu sanktionieren. Man kann nicht ständig nach Förderungs- und Ausgabenkürzungen rufen, bei der eigenen Sphäre aber mehr Geld verlangen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe, warum ältere Arbeitnehmer so schwer Jobs finden? Ist es der vermeintliche Kündigungsschutz?

Hier liegt ein Missverständnis vor: Es gibt keinen generellen Kündigungsschutz für Ältere. Mein Zugang wäre, neue Ideen wie Stipendien zu versuchen. Das Stipendium für die Pflegeausbildung läuft sehr erfolgreich, Ähnliches kann ich mir bei der Elementarpädagogik vorstellen. Viele Menschen ab 40 wollen sich beruflich verändern. Wenn wir Frauen in diesem Alter ein Fachkräftestipendium für die Elementarpädagogik ermöglichen, wäre das eine Lösung für zwei Probleme: für die steigende Arbeitslosigkeit und für den Fachkräftemangel bei den Elementarpädagoginnen, gerade jetzt, wo das zweite verpflichtende Kindergartenjahr beschlossen wurde.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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