
Kinder, wie die Zeit vergeht! Es war vor bereits 31 Jahren, dass die FPÖ in Wien ein Plakat mit dem Satz affichierte: „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk … oder Kunst und Kultur?“
Jörg Haider holte sich damals eine blutige Nase und ein blaues Auge – zumindest auf dem Schlachtfeld Kultur. Statt die linke Hegemonie zu brechen, sorgte er für einen noch stärkeren Zusammenhalt. Und ein Odin Wiesinger reüssierte nicht.
Man fragte sich schon damals, was der Wiener Bürgermeister jener Zeit auf der Abschussliste sollte. Denn so kunstaffin schien Michael Häupl (SPÖ) eigentlich nicht. Klar war nur, wie zuvor bei Thomas Bernhard und nun auch bei H. C. Artmann: Man attackierte Einzelpersonen.
Ob der Erfolglosigkeit gab man den Kulturkampf für viele Jahre auf. Die FPÖ lieferte sich nur ein paar Scharmützel, darunter mit dem Steirischen Herbst, der auch nicht gerade fein agierte.
Aber nun dürften die Rechtspopulisten wieder ihre Lust am Polemisieren im Bereich Kunst und Kultur entdeckt haben – auf Teufel komm raus. Ein Linzer FP-Stadtrat schlug – allen Ernstes? – vor, das Lentos zu privatisieren. Kaum ein Einheimischer besuche das Museum, trotzdem müssten „alle Linzer seit über 20 Jahren dafür bezahlen“. Es sei Zeit, das Lentos „in bessere Hände zu legen“, denn die Geschäftsführung würde „lieber provozierende Ausstellungen machen, anstatt ein breites Publikum anzusprechen“.
Provozierend ist die Ansage, aber nicht das Programm: Hemma Schmutz bringt immer wieder tolle Ausstellungen – mit einem wohltuend feministischen Touch. Vielleicht glaubt jemand, plump die AfD plagiieren zu müssen, die kürzlich das Bauhaus, also die Institution für die maßgebliche Stilrichtung des 20. Jahrhunderts, unter Beschuss nahm? Und natürlich wird das Linzer Museum nicht erst seit zwei Jahrzehnten erhalten: Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete man die Neue Galerie, die 2003 ein Landmark-Gebäude an der Donau erhielt – und mit dem Umzug den Namen änderte.
Aber Ihr Tratschpartner will sich nicht über Dummheit echauffieren. Er stellt nur nüchtern fest, dass die Freiheitlichen eine neue Taktik ausprobieren: Statt die „Staatskünstler“ direkt zu verunglimpfen, greift man lieber über die Kulturszene den politischen Gegner und die Institutionen an. Also zum Beispiel über Günther Paal, dem ab 22. Oktober wegen sexuellen Missbrauchs einer Unmündigen der Prozess gemacht wird, den ORF, der die Causa rund um „den seit Jahrzehnten zum ORF-Inventar gehörenden“ Kabarettisten Gunkl „verharmlosen“ würde. Oder über den Film „Bruno – Der junge Kreisky“ von Harald Sicheritz die „Systemparteien“ (eine direkte Anleihe an der NS-Diktion „Systemzeit“).
Ähnlich ging man bei der Astoria Artshow vor. Da haben etliche Wiener Galeristinnen und Galeristen der nächsten Generation – von Karoline Hilger über Isabell Steinek und Thomas Krinzinger bis zu Markus Peichl – enorm viel Engagement aufgebracht, um eine respektable, in den internationalen Medien mit viel Lob überhäufte Kunstmesse zu stemmen. Die FAZ zum Beispiel berichtete von einem „gelungenen Neustart“, die Messe habe „langersehnte Aufwärtstrends in der gebeutelten Kunsthandelsmetropole Wien“ gesetzt.
Und sogleich wird die Astoria Artshow von den Freiheitlichen madig gemacht: Man konstatierte – mit Verweis auf Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) – kalt lächelnd eine „Ludwig-Causa der Seilschaftspflege“, weil die Wien Holding – vielleicht nicht ganz freiwillig – als …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



