Ärztekammer-Chef zu Korruptionsvorwurf: „Das kann es nicht sein“

Politik

Wer privat zahlt, kommt schneller zu einem OP-Termin. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich. Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart will das so nicht gelten lassen. In der ZiB 2 stellte er am Freitagabend die Aussagekraft der Untersuchung infrage und wehrte sich gegen den Vorwurf, Ärzte würden Patienten gegen Bezahlung bevorzugen.

Die Studie liege der Ärztekammer noch nicht vor, sagte Steinhart. Schon anhand der bisher bekannten Informationen bezweifle er aber, dass sich daraus verlässliche Aussagen für ganz Österreich ableiten ließen. Insbesondere die Auswahl der Befragten und die Übertragung der Ergebnisse auf das gesamte Land seien für ihn nicht nachvollziehbar.

Auf die wiederholte Frage, ob Patienten nach einem privaten Arztbesuch schneller einen OP-Termin bekommen, ging Steinhart nicht direkt ein. Stattdessen verwies er auf die öffentlich einsehbaren Wartelisten in Oberösterreich. Die Unterschiede zwischen einzelnen Spitälern seien deutlich größer als jene, die derzeit diskutiert würden.

„Eine Unterstellung an das System“

Auch mit dem Studienergebnis, wonach wohlhabendere Patienten im Schnitt sechs Wochen kürzer auf eine geplante Operation warten, konnte Steinhart wenig anfangen. „Ich kann das so nicht nachvollziehen“, sagte er.

Besonders empört zeigte er sich über den Korruptionsvorwurf aus der Arbeiterkammer. „Es ist eine unglaubliche Situation, dass man jetzt hier eine Studie, die nicht einmal besonders bekannt ist, nimmt, und daraus mit dann ableitet, dass man 50.000 Ärzte der Korruption bezichtigt.“

Eine pauschale Beschuldigung der Ärzteschaft sei nicht akzeptabel. Auf die Frage, welche Konsequenzen Ärzten drohen würden, die Patienten gegen private Bezahlung frühere Termine ermöglichen, verwies Steinhart auf das Disziplinarsystem der Ärztekammer sowie auf Patientenanwälte und Ombudsstellen.

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Steinhart sieht Fehler in der Politik

Die eigentliche Ursache für lange Wartezeiten sieht der Ärztekammer-Präsident nicht bei den Ärzten, sondern in der mangelnden Ausstattung des Gesundheitssystems.

„Das System krankt nicht an den Ärzten, die sind die, die eigentlich das System am Laufen halten“, sagte Steinhart. Vielmehr seien über Jahre falsche Entscheidungen getroffen und zu wenige Ressourcen bereitgestellt worden. Die Bevölkerung werde älter, der medizinische Bedarf steige, die Kapazitäten würden aber nicht entsprechend ausgebaut.

„Wir brauchen die Wahlärzte“

Verteidigt wurden von Steinhart auch die Wahlärzte. Angesprochen darauf, dass immer mehr Patienten trotz gesetzlicher Krankenversicherung private Arztbesuche bezahlen müssen, bezeichnete er das Kassensystem als überlastet.

„Wir brauchen die Wahlärzte, sie sind unsere Stütze“, sagte der Ärztekammer-Präsident. Kritik an ihnen gehe am eigentlichen Problem vorbei. Stattdessen müsse die Politik für eine ausreichende Finanzierung und mehr Kapazitäten sorgen.

Eine mögliche Honorarobergrenze für Wahlärzte nach deutschem Vorbild lehnte Steinhart ebenfalls ab. Die Gesundheitssysteme der beiden Länder seien nicht ohne Weiteres vergleichbar.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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