Gerhard Zeiler will SPÖ-Chef werden: Ist das mehr als nur eine Ansage?

Politik

Am Ende war die Sache nicht mehr zu halten: Nachdem sich am Freitag in Wien die Hinweise verdichtet haben, dass sich der frühere ORF-Chef und Medienmanager Gerhard Zeiler via Kronen Zeitung um den Vorsitz der SPÖ bewerben will, ging die Zeitung in Vorlage und veröffentlichte zentrale Passagen aus ihrem Sonntagsinterview. „Ich glaube“, so Zeiler, „dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen.“ Und im Übrigen handle es sich um keinen Putsch. „Die SPÖ ist eine demokratische Partei, sie und niemand anderer wird entscheiden, wer an ihrer Spitze steht.“

Treffen

Dass sich Gerhard Zeiler den Job des SPÖ-Vorsitzenden zutraut und deshalb auch diverse Landesparteichefs wie Daniel Fellner schon getroffen hat oder – wie Hans Peter Doskozil – noch treffen möchte, ist seit vielen Wochen bekannt, der KURIER hat berichtet.

Bislang stand der 71-jährige Ottakringer freilich auf dem Standpunkt, man müsse ihn fragen. Und das ist seit Freitag anders.

Zeiler bringt sich selbst in Stellung. Zunächst durch ein Puls4-Interview, in dem Journalist und Zeiler-Freund Peter Pelinka von „spannenden Tagen“ sprach, die der SPÖ bevorstünden; dann durch die erwähnten Zitate aus dem Interview.

Dem voraus gab es Gespräche mit dem zentralen Landesparteichef, nämlich Wiens Michael Ludwig. Wie dem KURIER bestätigt worden ist, wurde der gebürtige Ottakringer Zeiler jüngst ein zweites Mal bei dem Wiener Bürgermeister vorstellig. Parallel dazu hat die einflussreiche Liesinger SPÖ-Vorsitzende Doris Bures Ludwig eindringlich darauf hingewiesen haben, wie groß der Leidensdruck in der Partei ist.

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Von einer klaren, geschweige denn öffentlichen Unterstützung der Wiener SPÖ für einen Alternativ-Kandidaten zu Andreas Babler konnte Freitagabend trotz allem nicht die Rede sein. In Wien liegt das unter anderem daran, dass der deklariert linke Kurs des Bundesparteivorsitzenden immer noch Fürsprecher hat. Und das wiederum macht es für Michael Ludwig schwierig, Präferenzen für einen Alternativ-Kandidaten zu zeigen – er will keine Unruhe in Wien.

Etwas anders ist die Situation in den roten Landesparteiorganisationen. Dort ist der Leidensdruck zuletzt zunehmend größer geworden. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen (Oberösterreich: 2027, Kärnten, Salzburg und Niederösterreich: 2028) existiert belastbares Zahlenmaterial, das zeigt: Die SPÖ schwächelt massiv, in Oberösterreich rauft man nunmehr mit den Grünen um Platz 3.

In den Landesparteien wie auch in Teilen der SPÖ-geführten Gewerkschaftsbewegung ist man überzeugt, dass ein „Anti-Babler“ gefragt wäre. Und zwar sehr.

Damit hat es sich aber schon wieder. Denn von einer flächendeckenden Unterstützung Gerhard Zeilers kann nicht die Rede sein.

Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner, der 2028 bei der Landtagswahl seinen Sitz als Landeshauptmann verteidigen muss, gilt als Unterstützer. Die um Hans Peter Doskozil vereinte SPÖ Burgenland wiederum versichert sehr glaubwürdig, dass man sich aus den Ränke- und Machtspielen diesmal tunlichst heraushält.

Dass Doskozil ins Lager der deklarierten Zeiler-Fans wechselt, ist laut KURIER-Recherchen de facto auszuschließen. Zur Erinnerung: Zeiler hat vor wenigen Jahren erklärt, er würde aus der SPÖ austreten, sollte Doskozil deren Vorsitzender werden. Das hat man in Eisenstadt bis heute nicht vergessen, wo man Zeiler im Übrigen für einen „weiteren linken Kandidaten“ hält, mit dem wenig gewonnen werden kann, weil die Partei nur mit einem „mittigeren“ Kurs reüssieren kann.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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