Nobelpreisträgerin: „Trump unterstützt den Krieg gegen die Ukraine“

Politik

Donald Trump wollte den Krieg in der Ukraine binnen 24 Stunden beenden. „Das sind die längsten 24 Stunden in der menschlichen Geschichte“, sagte Friedensnobelpreisträgerin Alexandra Matwijtschuk am Donnerstagabend in der ZiB 2. Statt den Krieg zu beenden, trage der US-Präsident mit seiner Politik dazu bei, dass Russland ihn weiterführen könne.

Die ukrainische Menschenrechtsaktivistin, die sich derzeit auf Einladung des Management Centers Innsbruck (MCI) in Österreich aufhält, verwies auf die Lockerung von Sanktionen gegen russischen Diesel. Die zusätzlichen Einnahmen könne Russland in Drohnen und Raketen investieren. „Jetzt sehen wir, dass Trump diesen Krieg gegen die Ukraine tatsächlich sogar unterstützt“, sagte Matwijtschuk.

Auch die zeitweiligen Einschränkungen beim Satellitensystem Starlink könnten nach ihrer Einschätzung Menschenleben kosten. Das Netzwerk werde nicht nur militärisch genutzt, sondern helfe auch dabei, russische Drohnen zu erkennen und abzuwehren.

„Keine Garantie, dass wir aufwachen“

Wie gefährlich der Alltag in der Ukraine geworden ist, erlebt Matwijtschuk selbst. Sie lebt in Kiew, wo die russischen Drohnenangriffe nach ihrer Schilderung zuletzt weiter zugenommen haben. „Jeden Abend, wenn wir ins Bett gehen, haben wir keine Garantie, dass wir am nächsten Morgen wieder aufwachen.“

Sollten die USA ihre Unterstützung vollständig einstellen, wäre die Ukraine noch stärker auf Europa angewiesen. Matwijtschuk verwies auf die Unterstützung Russlands durch den Iran, Nordkorea und China. Es werde zunehmend schwieriger, sich gegen die Angriffe zu verteidigen.

Drohnenangriffe als „menschliche Safari“

Matwijtschuks Organisation Center for Civil Liberties, die 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, dokumentiert seit Jahren Menschenrechtsverletzungen und mutmaßliche Kriegsverbrechen.

  Ukraine greift wieder russische Raffinerien an: „Blockade ist aufgehoben“

Besonders erschütternd seien die gezielten Drohnenangriffe auf Zivilisten. Russische Drohnen würden Menschen in Autos oder Händler auf Märkten verfolgen. Die UNO spreche von einer „menschlichen Safari“, sagte Matwijtschuk. Sie berichtete auch von einem einjährigen Buben, der beim Spielen im Garten von einer Drohne getroffen worden sei.

In der südukrainischen Stadt Oleschki sei die humanitäre Lage ebenfalls dramatisch. Matwijtschuk zufolge verhinderten russische Truppen Evakuierungen und Hilfslieferungen. „Die Menschen sitzen in der Falle. Sie leiden an Hunger.“

„Wir haben ja keine Wahl“

Trotz der Erschöpfung der Bevölkerung sieht Matwijtschuk keine Alternative zum Widerstand. „Natürlich sind wir erschöpft und müde. Aber was können wir denn tun?“ Bei einer russischen Besetzung drohe die ukrainische Identität ausgelöscht zu werden. Sie verwies auf die Unterdrückung der ukrainischen Kultur und die Verschleppung von Kindern nach Russland. „Wir haben keine Wahl, denn wir wollen leben und frei sein.“

Auch Forderungen nach ukrainischen Präsidentschaftswahlen während des Krieges wies sie zurück. Die ukrainische Verfassung lasse Wahlen unter Kriegsrecht nicht zu. Zudem sei eine ordnungsgemäße Durchführung angesichts der ständigen Angriffe kaum vorstellbar. „Wie sollte man denn den Wahlprozess in den Schützengräben überhaupt organisatorisch schaffen?“

Dass Präsident Wolodimir Selenskij im eigenen Land kritisiert werde, sei hingegen selbstverständlich. Unterschiedliche Meinungen gehörten zur Demokratie, betonte Matwijtschuk. „Es geht um die Pluralität der Meinungen.“

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.