
Der 60-tägige Waffenstillstand zwischen Iran und den USA ist beendet, die Meerenge von Hormus weiter blockiert, und der Ölpreis steigt und steigt – am Donnerstag bereits auf fast 94 Dollar (der Sorte Brent). Da scheint ein Bericht des stets gut informierten amerikanischen Nachrichtenportals Axios die Lage beruhigen zu wollen – mit überraschenden Neuigkeiten: Wie zwei US-Beamte Axios schilderten, führen die USA angeblich schon seit zwei Wochen eine äußerst erfolgreiche, verdeckte Operation in der Meerenge von Hormus durch.
Demnach habe das US-Militär heimlich, still und leise einen Schifffahrtskorridor in die Straße von Hormus hinein und auch wieder hinaus eingerichtet, um so täglich Millionen Barrel Öl zu transportieren. Jede Nacht in den vergangenen zwei Wochen seien auf diesem Weg bis zu 20 Öltanker über einen südlichen Kanal entlang der Küste des Oman in die Meerenge ein- und ausgefahren. Und bis zu 10 Millionen Barrel Öl hätten so transportiert werden können.
Wie das alles hätte möglich werden können, zumal die iranischen Revolutionsgarden alles beschießen, was sich ohne ihre Erlaubnis durch die Straße von Hormus bewegt? Die Operation sei durch eine kürzlich durchgeführte zweiwöchige Militärkampagne des US Central Command möglich geworden, die die Radar- und Seeüberwachungssysteme des Iran beeinträchtigte, versicherten die US-Beamten. Dadurch habe der Iran derzeit nur einige wenige Radaranlagen, die er wieder in Betrieb nehmen konnte.
Zweifel an dieser Erfolgsmeldung, die offenbar dazu dienen sollte, den Ölpreis wieder zu senken, sind allerdings angebracht. Beim Livetracker der Schiffsbewegungen auf der Straße von Hormus https://hormuzstraitmonitor.com/ sind derartige Daten nicht zu finden. Man geht hier von einem Schiff pro Tag aus, das durch die weitgehend blockierte Meerenge fährt. Auch in den großen amerikanischen Medien ist von derartigen Meldungen nichts zu lesen – sie wären in der Tat eine Sensation.
Warum also solch Meldungen? Fake news? Der beste Beweis, dass große Zweifel angebracht sind, ist der Ölpreis. Der steigt seit Tagen. Der Optimismus des internationalen Ölmarktes, dass die USA und der Iran eine Lösung für die Straße von Hormus finden könnten, scheint vorerst verflogen. Und dass die USA nächtens so viel Öl heimlich durch die Meerenge schleusen könnten, damit der Ölpreis sinkt, scheint offenbar auch kaum jemand zu glauben.
Source:: Kurier.at – Politik



