Giftige Tentakel breitet sich an Europas Stränden aus

Politik

Ein blau-violetter Ballon treibt an der Wasseroberfläche, darunter hängen nahezu unsichtbare Giftfäden, die bis zu 30 Meter tief ins Meer reichen können. Wer beim Schwimmen hineingerät, kann schwere Verletzungen erleiden. 

Bizarrer Meeresbewohner auch an der Adria?

Und ausgerechnet jetzt, mitten in der Urlaubssaison, tauchen immer mehr dieser bizarren Meeresbewohner an europäischen Stränden auf. So berichtet die Financial Times von einer ungewöhnlich starken Ausbreitung der Portugiesischen Galeere (Physalia physalis) an Europas Küsten. Besonders häufig wird sie derzeit in der Biskaya, an der französischen Atlantikküste und in Nordspanien gesichtet. Nicht nur für österreichische Urlauber stellt sich damit die Frage: Wo muss man mit dem Tier rechnen und was bedeutet die Entwicklung für besonders beliebte Urlaubsziele am Mittelmeer und an der Adria?

Meeresbiologe Gerhard Herndl von der Universität Wien gibt für die Adria zunächst Entwarnung. Dort gibt es derzeit keine Hinweise auf eine mit der französischen Atlantikküste vergleichbare Häufung. Wer seinen Urlaub in Istrien oder an der italienischen Adriaküste verbringt, muss also nicht wegen der Portugiesischen Galeere auf das Baden verzichten. Grundsätzlich ist das Tier aber nicht auf den Atlantik beschränkt. Portugiesische Galeeren können über die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer gelangen und dort auftauchen. Urlauber sollten lokale Warnungen deshalb ernst nehmen. Und unterschätzen sollte man eine Portugiesische Galeere keinesfalls. Denn der kleine, schillernde Körper an der Oberfläche ist nur der sichtbare Teil eines erstaunlichen, und wehrhaften, Lebewesens.

„Eine Qualle ist es streng genommen nicht“

„Eine Qualle ist es streng genommen nicht“, erklärt Herndl im Gespräch mit dem KURIER. Die Portugiesische Galeere gehört zu den Hydrozoen. Und selbst die Vorstellung, man habe es mit einem einzigen Tier zu tun, stimmt nicht ganz. „Das sind im Prinzip koloniale Polypen, die sich zu einem Organismus zusammengeschlossen haben“, sagt Herndl. Die einzelnen Bestandteile sind hoch spezialisiert und übernehmen unterschiedliche Aufgaben. „Die einen sind für Ernährung zuständig, die anderen bilden eine Schwimmblase oben.“ Diese mit Gas gefüllte Blase ist jener blau, violett oder rosa schimmernde Körper, den Badegäste an der Wasseroberfläche erkennen können. Er bildet eine Art Segel. Die Portugiesische Galeere schwimmt deshalb nicht gezielt wie ein Fisch, sondern lässt sich von Wind und Strömungen über das Meer treiben. Was unter der Wasseroberfläche hängt, ist wesentlich schwerer zu erkennen.

  Griechenland übergibt rote Schulden-Laterne an Italien

Giftfäden können 30 bis 40 Meter lang werden

„Die haben relativ lange Nesselfäden, die 30, 40 Meter lang werden können“, sagt Herndl. Diese Fäden sind dicht mit Nesselzellen besetzt. Das macht Begegnungen besonders tückisch: Ein Schwimmer muss dem sichtbaren Körper gar nicht besonders nahe kommen. Die dünnen Tentakel können sich weit durch das Wasser ziehen. Wer hineinschwimmt und sich darin verfängt, kann große Mengen Gift abbekommen. „Dann kann das schon sehr dramatische Auswirkungen haben“, sagt Herndl. Besonders eindringlich warnt der Meeresbiologe bei Kindern. „Wenn da Kinder reinschwimmen, kann das wirklich auch lebensbedrohlich sein.“

Wie ernst die Lage an manchen europäischen Küsten bereits ist, zeigt ein Blick nach Frankreich. In Arcachon an der französischen Atlantikküste wurde das Baden am Hauptstrand wegen Portugiesischer Galeeren zeitweise verboten. An der französischen Baskenküste wurden laut Financial Times innerhalb von nur zwei Wochen mehr als 1000 Stiche registriert. Auch San Sebastián im …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.