Warum verwehrt sich die FPÖ dagegen, „Schwesterpartei“ der AfD zu sein?

Politik

Sie stehen Seite an Seite, wenn die FPÖ wie im Juli am Stephansplatz ihr 70-jähriges Bestehen feiert. Sie gratulieren einander zu Wahlsiegen wie am Wochenende Ulrich Siegmund wegen der gewonnenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Doch beim ORF-Sommergespräch lässt Parteichef Herbert Kickl mit einer Aussage zum Verhältnis zwischen der FPÖ und der Alternative für Deutschland aufhorchen. Nachdem Moderatorin Simone Stribl die AfD als „Schwesterpartei“ der FPÖ bezeichnet, wird Kickl fast ungehalten.

„Wenn Sie uns als Schwesterparteien bezeichnen, dann sagen Sie mir bitte, wer die gemeinsamen Eltern sind“, fordert Kickl die Journalistin auf. Auch, dass man ein „Bündnis“ mit der AfD habe, stellt Kickl auf Nachfrage in Abrede. Das stimmt auf europäischer Ebene auch. 

Aber woher rührt die für politische Beobachter plötzliche Distanzierung von Alice Weidel & Co, nachdem auch Kickls Vorgänger die Nähe zu ihr suchten und vice versa. Zumal Bilder wie jenes von Heinz-Christian Strache mit der damaligen AfD-Frontfrau Frauke Petry auf der Zugspitze und rezente Zusammenkünfte wie jene von Salzburgs FPÖ-Chefin und Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek mit Zeugnis davon ablegen?

Fragt man Parteigänger, so wundert Kickls Bemerkung unisono nicht. Aus mehreren Gründen. 

Ein triftiger Grund ist die AfD in Sachsen-Anhalt selbst, deren Wahlprogramm Vorhaben vorsieht, die „uns zu extrem sind“ und die jedenfalls nicht in das Bild der FPÖ unter der Obmannschaft von Kickl passen, die sich nach der letzten Wahl der „Volkskanzlerschaft“ verschrieben hat. Wo wir beim nächsten und für viele gewichtigeren Grund für die Distanzierung sind. Die FPÖ führt im Gegensatz zur AfD nicht nur in Umfragen, sie ist auch auf Bundesebene die stimmenstärkste Partei, wenn auch nicht in der Regierung.

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Und: Die Freiheitlichen inszenieren sich 2026 als Partei, die sich ihrer Wurzeln besinnt, Wert auf Tradition legt und auf eine jahrzehntelange – wenn auch durchwachsene – Geschichte zurückblicken kann – und bewusst will. Wie kommenden Samstag in Innsbruck, um jenen Parteitag zu feiern, an dem Jörg Haider 1986 Norbert Steger an der Spitze ablöste. Die Blauen wollen auf den „Aufbruch zur Spitze“ zurückblicken. Auf drei Regierungsbeteiligungen auf Bundesebene (1983-1987/2000-2005/2017-2019) zum Beispiel. Etwas, das sie maßgeblich von der 2013 gegründeten und ebenfalls in Blau gehaltenen AfD unterscheidet. In Deutschland gibt es keine Partei, die mit der AfD koalieren will und deshalb die „Brandmauer“. 

Ganz im Gegensatz zu Österreich, wo immer wieder Stimmen innerhalb der ÖVP als auch der SPÖ laut werden, die sich zumindest für offene Gesprächskanäle zur FPÖ aussprechen. Eben darum, heißt es innerhalb der Freiheitlichen, wolle man die Beziehungen zur AfD wahren, aber kein unterstelltes allzu großes Naheverhältnis. Schon gar keine Familienvergleiche. 

„Wir brauchen keinen Vergleich mit der AfD, auch keinen Schwester-Vergleich, weil die FPÖ seit Jahrzehnten präsent ist und nicht nur in Bundesregierungen war, sondern auch höchste Ämter bekleidet hat“, sagt der FPÖ-nahe Politik-Berater Christoph Pöchinger auf KURIER-Nachfrage und verweist unter anderem auf den Parlamentspräsidenten Walter Rosenkranz, den Hofburgkandidaten Norbert Hofer oder den ehemaligen Rechnungshofpräsidenten Tassilo Broesigke.

Am Familienvergleich stößt sich auch Ex-FPÖ-EU-Abgeordneter Andreas Mölzer, weil die Fragestellung „insinuiert, dass gemeinsame Eltern im Nationalsozialismus zu suchen wären“. Und eben dieser Vergleich sei unzulässig, zumal man im Gegenzug auch bei ÖVP und SPÖ suchen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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