Milliarden-Paket: Ministerien ordnen Forschungsförderung neu

Wirtschaft

Österreichs Forschungs- und Technologieförderung wird umgebaut. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) haben am Dienstag ein gemeinsames Leitbild präsentiert, wie die staatlichen Fördergesellschaften künftig arbeiten sollen. Dazu werden die Aktivitäten der Förderagenturen gebündelt: Unternehmen sollen nur noch eine Anlaufstelle („Single Point of Entry“) haben. Und wer künftig eine Förderung erhält, soll in Österreich bzw. Europa produzieren.

Die Förderagenturen FFG, AWS, Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) und Austrian Business Agency (ABA) sollen nach fünf Prinzipien arbeiten:

Schlüsseltechnologien 

Neun Technologien aus der Industriestrategie werden zum Maßstab für Förderprogramme: Künstliche Intelligenz und Dateninnovation, Chips, elektronische Komponenten und Systeme, fortgeschrittene Produktionstechnologien und Robotik, Quantentechnologie und Photonik, fortgeschrittene Werkstoffe, Life Sciences & Biotech, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilitätstechnologien sowie Weltraum- und Luftfahrttechnologien. Hattmannsdorfer begründet das so: Österreich liegt bei Forschungsausgaben EU-weit auf Platz drei, beim Innovation-Scoreboard aber nur auf Platz acht. Die Effizienz müsse besser werden.

Made in Europe 

Wer Förderung erhält, muss sich verpflichten, wichtige Teile der Lieferkette in Europa zu behalten. „Wenn China und die USA eine ,First‘-Politik betreiben, ist unsere Antwort ,Made in Europe‘“, so Hattmannsdorfer.

Produktion in Österreich 

Forschungsergebnisse sollen nicht im Labor versauern oder ins Ausland abwandern, sondern möglichst schnell in Österreichs Betrieben und am Markt umgesetzt werden.

Eine Anlaufstelle statt vier 

Bisher mussten Unternehmen zwischen vier Agenturen wählen – je nach Forschungsstadium. Künftig soll es ein zentrales Projektmanagement geben, feste Ansprechpartner und eine einmalige Datenerfassung.

Bessere Beratung 

Die Förderagenturen sollen ihre Marktkenntnisse stärker für die wirtschaftspolitische Steuerung einbringen und als „Anker“ für Start-ups und junge Unternehmen dienen.

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5,6 Milliarden Euro

Zwischen 2027 und 2029 stehen im Forschungs-, Technologie- und Innovations-Pakt 5,6 Milliarden Euro bereit – inklusive den Mitteln aus dem Sozialministerium. Davon sind 2,6 Milliarden Euro für Schlüsseltechnologien vorgesehen. Hankes Infrastrukturministerium gibt von 2027 bis 2029 rund 1,7 Milliarden Euro über die Forschungsförderungsgesellschaft FFG und die Austria Wirtschaftsservice AWS aus.

Aus Hattmannsdorfers Ministerium fließen 641 Millionen Euro in betriebliche und angewandte Forschung, davon gehen 449 Millionen Euro gezielt in Schlüsseltechnologien – 70 Prozent mehr als in der Vorperiode (265 Millionen Euro).

Hanke will auch die öffentliche Beschaffung nutzen: „70 Milliarden Euro gibt die Republik jährlich aus.“ Diese Summe soll künftig gezielter für Innovation und regionale Wertschöpfung eingesetzt werden. Die Neuausrichtung ist Teil der Industriestrategie, die Österreich in die Top-10-Industrieländer der Welt führen soll.

Innovationsranking

Wie wichtig die Forschungsförderung ist, zeigt die aktuelle Rangliste der 100 innovativsten Weltregionen, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Während Deutschland mit sieben Städten bzw. Ballungsräumen auf Platz 3 hinter den USA und China liegt, kommt der Ballungsraum Wien nur auf Rang 76. Das ist ein Rückfall um zwei Plätze gegenüber dem Vorjahr, als Wien erstmals den Sprung unter die Top 100 schaffte. Zum Vergleich: München belegte den 28. Rang, Zürich Rang 40.

Erstellt wird der jährliche „Innovation Index“ der Regionen von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) in Genf. Die Wipo gewichtet die Rangliste nach drei Kriterien: internationale Patentanmeldungen, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Risikokapitalgeschäfte, also Investitionen in innovative Jungunternehmen. Wien konnte hier vor allem mit wissenschaftlichen Publikationen der Universität Wien punkten. An der Spitze als Erfinderland steht mit Abstand China vor den USA. In der Volksrepublik allein befindet sich laut Index ein Viertel der 100 …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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