
Für die Elektro- und Elektronikindustrie in Österreich ist es 2025 nach zwei Jahren Rezession erstmals wieder aufwärts gegangen. Für Fachverbandsobmann Wolfgang Hesoun täuschen die Zahlen jedoch, weil die Branche gespalten sei. Während es für Unternehmen in den Bereichen KI und Energie wie Infineon oder AT&S sehr gut laufe, seien kleinere und mittlere Unternehmen, die an deutsche Autohersteller liefern, stark unter Druck. „Der eine schwitzt, der andere friert“, meinte Hesoun.
Auftragseingang steigt erstmals seit 2022 wieder
Der Wirtschaftskammer-Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) hat am Dienstag seine Bilanz für das Jahr 2025 vorgelegt. Demnach stieg der Produktionswert gegenüber 2024 um 2,7 Prozent auf 23,6 Mrd. Euro und damit wieder auf das Niveau von 2022. Auch die Auftragseingänge stiegen erstmals seit 2022 wieder – um 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 27 Mrd. Euro. FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch sprach davon, dass nach zwei Jahren Rezession eine Bodenbildung erreicht sei, allerdings habe es seit 2022 kein Wachstum in der Branche gegeben.
Die Elektroindustrie hat eine hohe Exportquote von fast 85 Prozent und beschäftigte Ende 2025 rund 72.000 Menschen in Österreich. Seit dem Höchststand Ende 2023 hat die Branche rund 2.300 Mitarbeiter abgebaut, allein 2025 wurden rund 1.500 Stellen gestrichen. Zu den größten Unternehmen der Branche gehören hierzulande neben AT&S und dem Glücksspielautomatenhersteller Novomatic auch die Österreich-Niederlassungen der deutschen Unternehmen Infineon, Siemens Mobility und Siemens Energy.
Zwang zu lokaler Produktion könnte eingeführt werden
Hesoun zeichnete ein pessimistisches Bild für den Industriestandort Europa. Europas Geschäftsmodell der vergangenen Jahrzehnte funktioniere nicht mehr, weil Länder wie China, die jahrelang als Kunden fungiert haben, technologisch aufgeschlossen und Europa in manchen Bereichen – Stichwort E-Autos – auch überholt hätten. „Die Situation umzukehren, wird nicht möglich sein“, schätzt der ehemalige Siemens-Manager. Man werde sich auf eine Veränderung der Industriestruktur einstellen müssen, so Hesoun.
Neben Zöllen sieht Hesoun vor allem im Zwang zu lokaler Produktion eine Möglichkeit zur Stabilisierung. In China dürfe nur verkauft werden, wenn auch dort produziert wird – „Ähnliches werden wir auch aufziehen müssen.“
Klimawandel real, aber Ziel 2040 wird abgelehnt
Beim Klimaschutz übte Hesoun sowohl Kritik an der Regierung als auch an FPÖ-Chef Herbert Kickl – allerdings ohne Kickl namentlich zu nennen. „Ich glaube, jeder, der sich ein bisschen mit dem befasst, ist erstaunt, dass man in der Öffentlichkeit das noch immer leugnet“, sagte Hesoun mit Blick auf das Sommergespräch am Montagabend.
Gleichzeitig lehnt Hesoun das Ziel der Regierung, bis 2040 klimaneutral zu sein, ab. Er verstehe nicht, warum Österreich hier in der EU der „Musterschüler“ sein müsse, sei das Ziel doch eine „reale Belastung im täglichen Wettbewerb“. In der EU wird die Klimaneutralität erst für 2050 angestrebt. Dass das frühere Ziel ein Innovationstreiber sein könnte, hält Hesoun für „Wunschdenken“.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



