ÖFB-Teamchefin Fuhrmann: „Der Frauenfußball widerlegt Klischees“

Sport

Die Teamchefin der Nationalmannschaft ärgert sich über Vorurteile und will bezüglich der nächsten WM „groß denken“.

Wenn diese Frau am Steuer sitzt, kann nicht viel schiefgehen. Irene Fuhrmann lenkt als Trainerin des Damen-Nationalteams normalerweise die Geschicke der Fußballerinnen, und heute ausnahmsweise auch die der Sportjournalistin des KURIER. Die Klimaanlage ist eingeschaltet, die Gurte sitzen fest und schon geht es durch den Prater in Richtung Wiener Gürtel. Das angenehme Summen des Elektroautos passt zur gelassenen Art der 40-Jährigen, die auch vor kritischen Fragen nicht anhält.

KURIER: Zu Ihrer Vorstellung als erste Trainerin des Frauen-Nationalteams fuhren Sie lässig im Dienstwagen vor. Heute machen wir während des Interviews eine Spritztour durch Wien. Sind Sie gern mit Autos unterwegs?

Irene Fuhrmann: Ja! Aber ich bin beim Autofahren eine Spätzünderin, wie auch im Vereinsfußball. Ich bin in Wien aufgewachsen und war nicht abhängig vom Auto. Deshalb hab’ ich auch erst mit 22 den Führerschein gemacht. Beruflich bedingt ist das Autofahren unabdingbar. Seit 2011 pendle ich nach St. Pölten, mittlerweile fahre ich sehr gerne mit dem Auto.

Wie geht’s Ihnen mit den Vorurteilen, dass Frauen etwa nicht einparken können?
Das kostet mich ein Lächeln, weil ich der lebende Beweis dafür bin, dass es nicht so ist. Ich glaube, dass Frauen grundsätzlich die umsichtigeren und verantwortungsvolleren Fahrer sind.

Und mit Klischees gegenüber dem Frauenfußball?
Ich find’s sehr ärgerlich, dass sich manche Klischees so hartnäckig halten, weil ich der Überzeugung bin, dass der moderne Frauenfußball ganz viele dieser Klischees einfach widerlegt. Ich würde mir wünschen, dass man Frauenfußball akzeptiert und nicht dagegen arbeitet.

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Wie kamen Sie zum Kicken?
Ich habe die Leidenschaft Fußball durch meinen Bruder entdeckt. Der hat mich oft in den Park mitgenommen, wo wir stundenlang gespielt und jede freie Minute mit dem Ball verbracht haben. Erst durchs Studium fand ich mit 20 zum Vereinsfußball.

Wie geht‘s Ihnen dabei, dass Sie sich im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen sehr oft auch Fragen zur gendergerechten Entlohnung anhören müssen?
Grundsätzlich bin ich natürlich Trainerin und würd‘ gern hauptsächlich über sportliche Themen sprechen. Ich persönlich finde es aber sehr ärgerlich und gesellschaftspolitisch zu hinterfragen, warum eigentlich diese Lohnschere zwischen Männern und Frauen auch in ganz normalen Brotberufen, noch immer so groß ist. Ich bin schon der Meinung, dass dieselbe Leistung mit derselben Entlohnung bezahlt werden sollte!

Können Sie als Trainerin vom Fußball leben?
Ich hab’ während meiner aktiven Zeit begonnen, Trainer-Ausbildungen zu durchlaufen. Damals war’s keine Option, Fußball-Trainerin zu sein, und auch heute ist in Österreich in der höchsten Liga kein Trainer vollzeitbeschäftigt. Da gilt es anzusetzen und zu professionalisieren. Mein Glück war, dass der ÖFB 2011 die Frauen-Akademie in St. Pölten eröffnet hat und ich dort eine Vollzeitanstellung bekam. Ich fühle mich privilegiert, mein Hobby seit zehn Jahren hauptberuflich auszuüben.

Fußballer sieht man oft mit schicken Sportwagen oder beim Verzehr von vergoldeten Steaks. Wie sieht es bei Ihren Spielerinnen aus?
Ich bin der Meinung, dass sich im Männerfußball bald etwas ändern muss, wenn man sich die Summen ansieht, um die es sich derzeit dort handelt. Es sollte um eine faire Entlohnung gehen. Im Frauenfußball sind wir aber noch nicht so weit, …read more

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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