
Wenn Joshua Sturm um sich blickt, könnte er leicht nervös werden. Etliche Kollegen aus seinem Jahrgang 2001, mit denen er sich einst im Nachwuchs duelliert hat, haben längst Karriere gemacht, während der Tiroler noch in den Startlöchern scharrt.
Der Schweizer Franjo von Allmen etwa: Mit 25 bereits dreifacher Olympiasieger und Doppelweltmeister. Oder der Norweger Alexander Steen-Olsen: Kann bereits Weltcupsiege im Slalom und im Riesentorlauf vorweisen. Nicht zuletzt Giovanni Franzoni (ITA), der im letzten Winter auf der Streif gewann.
Aha-Erlebnis
Joshua Sturms Bilanz liest sich daneben vergleichsweise mickrig. Erst einmal schaffte es der Pitztaler im Weltcup in die Top Ten, aber gerade dieser 7.Platz im letzten Riesentorlauf in Lillehammer könnte das Aha-Erlebnis gewesen sein, das er schon so lange herbeigesehnt hat.
Nachbar von Benni Raich
„Es ist noch ein weiter Weg nach oben. Zumindest habe ich jetzt aber eine gute Vorstellung, was ich tun muss und wie es ausschauen soll“, erklärt Joshua Sturm vor dem Weltcupauftakt in Sölden am kommenden Sonntag.
Schon seit Jahren warten die österreichischen Trainer auf die große Leistungsexplosion des großen Hoffnungsträgers im Slalom und Riesentorlauf.
Joshua Sturm gewann Medaillen beim Europäischen Jugendfestival und bei der Junioren-WM, weil er wie Benjamin Raich aus dem Pitztal kommt, drängte sich der Vergleich mit der Legende auf.
Mit einem wie Benjamin Raich in einem Atemzug genannt zu werden, ist eine Ehre, aber noch viel mehr eine Bürde. „Der Benni war halt extrem erfolgreich. Ich muss meinen eigenen Weg finden“, weiß Joshua Sturm.
Prominenter Mentalcoach
Dafür hat sich der Tiroler auch einen Mentalcoach an seine Seite geholt. Mathias Berthold, einst selbst Slalomläufer im Weltcup und später Chefcoach der ÖSV-Herren (2010-2014), steht Sturm mit Rat und Tat zur Seite. „Er findet die richtigen Worte und richtet mich gut aus.“
Denn es war ja in erster Linie eine Kopfsache, dass Joshua Sturm bisher noch nicht das zeigen konnte, was in ihm schlummert. Die ÖSV-Trainer attestieren dem Pitztaler perfekte Anlagen, in den internen Trainingsläufen liefert er eine Bestzeit nach der anderen ab.
Positive Fehlerkultur
„Und deshalb waren die Ansprüche da, dass es auch im Rennen funktioniert. Das frustriert, wenn es dann dort nicht klappt“, berichtet der 25-Jährige. „Ich bin mir da vielleicht selbst ein bisschen im Weg gestanden.“
Die Verunsicherung und die Unzufriedenheit waren irgendwann so groß, dass Joshua Sturm im Rennen das Risiko scheute. „Oft habe ich mich selbst eingebremst, damit ich ja keinen Fehler mache. Ich habe mir eine positive Fehlerkultur angelernt.
Neue Konstanz
Mit dieser Strategie fährt Joshua Sturm deutlich besser – und erfolgreicher. In den letzten sieben Weltcuprennen sammelte er immer Punkte und präsentierte sich konstant wie noch nie. „Ich glaube, dass ich einen großen Schritt gemacht habe.“
Trotzdem will Joshua Sturm nicht den Fehler wiederholen, den er früher mitunter gemacht hat. „Ich mache nicht den Fehler, dass ich mir einen Druck auferlege, oder es erzwingen will.“
Source:: Kurier.at – Sport



