
Eines der aufsehenerregendsten Objekte auf der diesjährigen Bahnfachmesse Innotrans war ein fahrerloser U-Bahn-Zug mit einer kreisrunden Glasfront, um die bei Dunkelheit LEDs in Regenbogenfarben tanzen. Er stammt von einem chinesischen Hersteller. China hat sich in den vergangenen Jahren zum größten Player in der Bahnindustrie gemausert. Das Land baut sein eigenes Eisenbahnnetz massiv aus, drängt aber auch verstärkt auf den internationalen Markt.
Es geht nur in eine Richtung
Der umgekehrte Weg, jener nach China, sei für Bahnunternehmen versperrt, sagt Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident von Stadler. „China kommt mit staatlich subventionierten Preisen nach Europa. Für uns ist China aber ein geschlossener Markt.“ Laut dem Austrian Rail Report des Branchenverbands VBI hat China 2025 Schienenfahrzeuge im Wert von 3,7 Milliarden Euro exportiert. „Seit dem Report drei Jahre zuvor ist das Volumen um 1,5 Milliarden Euro angewachsen. Das ist genauso viel wie Österreich im Jahr exportiert“, sagt Christian Diewald, Geschäftsführer von Stadler Austria.
Leidiges Thema Harmonisierung
Um Wettbewerbsnachteile gegenüber chinesischen Herstellern auszugleichen, müsste das Vergaberecht reformiert werden, sagt VBI-Geschäftsführer Anil Rai. Europäische Wertschöpfung sollte verpflichtend in Kriterien für öffentliche Ausschreibungen verankert sein. Europa könnte seine eigene Eisenbahnindustrie aber auch durch andere Maßnahmen fördern und entlasten, sagt Diewald. Die Harmonisierung der national gegliederten Eisenbahnsysteme sei am dringendsten erforderlich.
„Ich verliere langsam echt die Geduld. Wir jammern darüber seit so vielen Jahren. Ich verstehe nicht, warum wir das nicht endlich umsetzen“, so Diewald. Es gibt eine europäische Eisenbahnbehörde, deren Regeln können aber national angepasst werden. Das führe das System ad absurdum.
Zugwaggons wie Semmeln backen
Außerdem mangle es an Standardisierung. „Komplexität kostet Zeit und Ressourcen. Wenn wir uns gegen den Wettbewerb durchsetzen wollen – speziell aus dem asiatischen Raum – dann brauchen wir eine Standardisierung, wie sie dort stattfindet.“ In China würde man „tausende Reisezugwaggons wie Semmeln backen“, wobei es im ganzen Land nur wenige Varianten gebe. Im besten Falle bekomme es Europa hin, Hochgeschwindigkeits-Zugverbindungen quer durch den Kontinent zu etablieren.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



