Frequentis will bei Breitband-Blaulichtfunk kräftig mitmischen

Wirtschaft

Ein einheitliches Europa wird zwar oft beschworen. In vielen Bereichen kann davon aber keine Rede sein. Ein Beispiel dafür ist der Behördenfunk. Rettungs- und Polizeieinheiten oder Feuerwehren, die bei Naturkatastrophen, Terroranschlägen oder Überschwemmungen im Nachbarland aushelfen, verlieren heute rasch den Kontakt zur Einsatzleitung im Heimatland und und können über Funk auch mit ihren Partnerdiensten nicht kommunizieren. Denn die in europäischen Ländern zum Einsatz kommenden digitalen Behördenfunklösungen brechen wegen einer Vielzahl von proprietären nationalen Spielarten meist an der jeweiligen Landesgrenze ab. 

„Es gibt europäische Bedrohungen. Ich kann aber nur europäisch reagieren, wenn ich auch europäisch kommunizieren kann“, sagt Frequentis-Chef Norbert Haslacher. Sein Unternehmen setzt große Hoffnungen in ein einheitliches europäisches Kommunikationssystem, das bis 2036  nicht nur sicherstellen soll, dass europäische Einsatzkräfte länderübergreifend miteinander kommunizieren können. EUCCS (steht für European Critical Communication System) soll auch dafür sorgen, dass Einsatzkräfte große Datenmengen und damit auch Fotos und Videos von Einsatzorten austauschen können. 

Der vor allem für seine Flugsicherungslösungen bekannte österreichische Technologiekonzern gilt als einer der Vorreiter von wesentlichen Bausteinen der  dem System zugrunde liegenden MCX-Technologie. Sie liefert die Basis für die  Breitband-Blaulichtkommunikation über 5G-Netze. 

Einführung ab 2030

Frequentis ist  an mehreren Projekten zur Vorbereitung des europäischen Kommunikationssystems beteiligt. Ab 2030 soll EUCCS schrittweise in den EU-Mitgliedsstaaten eingeführt werden. Den Zeitplan hält Haslacher für ambitioniert. In Österreich sei nicht einmal die Umstellung der Einsatzkräfte auf die Vorgängertechnologie, den Digitalfunk TETRA,  abgeschlossen, sagt der Frequentis-Chef. In anderen Ländern, etwa in Schweden oder Kroatien, gebe es  bereits erste Ausschreibungen.

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Auch europäische Bahnen rüsten um 

Die Technologie soll auch im Bahnbereich zum Einsatz kommen. Testversuche laufen. Bei der Schneebergbahn wurde sie von Frequentis in Österreich bereits ausprobiert, auch die ÖBB testen. In dem Bereich gab es im Gegensatz zur Blaulichtkommunikation auch bereits zuvor einen europaweit einheitlichen Standard. Die Vorgängertechnologie GSM-R wird aber nur noch bis 2036 gewartet und läuft aus. Das bedeute, dass alle europäischen Länder ihre komplette Bahn-Kommunikationsinfrastruktur in den nächsten zehn bis 15 Jahren austauschen müssen, sagt Haslacher: „Das sind riesige Infrastrukturprogramme.“

Zukunftsmarkt

Frequentis sieht sich auf dem Zukunftsmarkt gut positioniert. Auch aus Gründen der Resilienz werde wohl darauf geachtet werden, dass bei den unterschiedlichen Ebenen der Technologie – von der Infrastruktur über die Datenübertragung bis hin zur Software eine Vielzahl von europäischen Anbietern zum Zug kommen werde, sagt Haslacher. Langfristig rechnet der Frequentis-Chef mit einem jährlichen Umsatzbeitrag im dreistelligen Millionenbereich für sein Unternehmen.

Das Segment Public Safety & Transport (PST), dem solche Lösungen zugerechnet werden, ist bei Frequentis auch schon in den vergangenen Jahren stark gewachsen. 2025 betrug das Umsatzplus mehr als 25 Prozent. Wenn das Thema Sicherheit in den Vordergrund rücke, gebe es mehr Geld, um die Infrastruktur entsprechend aufzurüsten, sagt Haslacher. 

Auch das Frequentis-Kerngeschäft, die Flugsicherung, weist Wachstumsraten von fast 20 Prozent auf. Mit einem Anteil von mehr als 400 Mio. Euro war es im vergangenen Geschäftsjahr für 70 Prozent des Konzernumsatzes verantwortlich. 

Gebremstes Drohengeschäft

Es könnte aber noch besser laufen. Im Geschäft mit Lösungen zur Drohnenerkennung sieht man sich in Europa gebremst. Zwar ist durch zahlreiche Vorfälle mit mutmaßlich aus Russland stammenden Drohnen der Bedarf an Systemen zur von Identifikation und Klassifikation der …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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