Zahlungsmoral in Österreich bröckelt: Jede fünfte Rechnung wird zu spät bezahlt

Wirtschaft

Die Zahlungsmoral in Österreich gerät unter Druck. Jede fünfte Rechnung wird mittlerweile zu spät bezahlt – im Vorjahr war es nur jede sechste. Das zeigt die aktuelle Studie des KSV1870. Besonders betroffen: Unternehmen und die öffentliche Hand.

Firmen brauchen vier Tage länger

„Wir sehen eine schleichende Veränderung in die falsche Richtung“, sagt Ricardo-José Vybiral, Vorstandschef der KSV1870 Holding AG. Firmen benötigen im Schnitt mittlerweile 29 Tage, um ihre Rechnungen zu begleichen – vier Tage länger als im Vorjahr. „Man versucht, die Liquidität möglichst im Unternehmen zu halten“, erklärt Vybiral die Entwicklung.

„Dass bereits jede fünfte Rechnung nicht fristgerecht bezahlt wird, ist Ausdruck der finanziellen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. Zahlungsziele werden zunehmend ausgereizt und immer häufiger überschritten“, erklärt Walter Koch, Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH.

Besonders dramatisch ist die Lage in Tirol und im Burgenland: Dort dauert es durchschnittlich 41 Tage, bis Rechnungen beglichen werden – und damit länger als das gesetzliche Zahlungsziel vorgibt. „Für diese beiden Bundesländer bleibt nur zu hoffen, dass das ein einmaliger Ausreißer ist“, sagt Koch.

Öffentliche Hand zahlt schlechter

Besonders problematisch: Die öffentliche Hand geht nicht mit gutem Beispiel voran. Der Bund zahlt nur noch in 76 Prozent der Fälle pünktlich, die Länder in 79 Prozent (Vorjahr: 82 Prozent). 

Bei den Gemeinden ist der wirtschaftliche Druck deutlich spürbar: Nur noch 79 Prozent begleichen ihre Rechnungen fristgerecht. Die öffentliche Hand sollte laut Gesetz eigentlich innerhalb von 30 Tagen zahlen, der Bund zahlt in 36 tagen, die Länder nach 32 Tagen. Nur die Gemeinden überschreiten die 30-Tage-Latte nicht und zahlen schon nach 27 Tagen.

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„Wenn die öffentliche Hand den Unternehmen etwas Gutes tun könnte, dann wäre es vor allem, dass sie pünktlich zahlt und sich an die Zahlungsrichtlinien von 30 Tagen hält“, fordert Vybiral.

Private zahlen weiterhin vorbildlich

Einen Lichtblick gibt es: Private Haushalte in Österreich zahlen ihre Rechnungen weiterhin zuverlässig und sogar schneller als im Vorjahr. Die durchschnittliche Zahlungsdauer sank von 15 auf 13 Tage. „Das Zahlungsverhalten der Konsumenten in Österreich ist unverändert gut“, bestätigt Koch.

In Kärnten, Salzburg und Oberösterreich werden Rechnungen von Privaten sogar schneller bezahlt als vorgegeben. Nur in Vorarlberg und Tirol dauert es etwas länger.

Mehr Inkasso-Fälle, aber stabile Quote

Die angespannte Wirtschaftslage schlägt sich auch im Inkasso nieder. „Wir bekommen mehr Inkasso-Aufträge zum Betreiben“, berichtet Koch. Die Einbringlichkeit bleibe zwar stabil, allerdings dauere es bei hohen Forderungen – etwa im Energiesektor – wesentlich länger, bis diese beglichen werden.

Positiv ist auch: Die tatsächlichen Forderungsausfälle sanken von 3,3 auf 2,9 Prozent vom Umsatz. Dennoch müssen nur noch 28 Prozent der Firmen ihren Rechnungen nicht nachlaufen – 72 Prozent müssen mahnen oder Inkasso einschalten.

Wirtschaftslage drückt auf Stimmung

Hintergrund der verschlechterten Zahlungsmoral ist die dramatische Geschäftslage: Nur noch 42 Prozent der österreichischen Unternehmen bewerten ihre Lage als sehr gut oder gut – der schlechteste Wert seit dem Jahr 2000. „Die Stimmung der österreichischen Unternehmer steht eher unter dem Titel Frust und weniger auf Lust auf mehr und Wachstum“, fasst Vybiral zusammen.Besonders unter Druck stehen Gastronomie, Beherbergung und Handel. Nur jeder zweite Betrieb rechnet damit, 2026 mit Gewinn abzuschließen.

Ausblick: Etwa ein Drittel erwartet Verschlechterung

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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