
Der US-Drohnenhersteller Red Cat Holdings bietet 39 Euro je Aktie für den österreichischen Spezialmotorenhersteller Steyr Motors. Das entspricht einer Prämie von knapp 29 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Bis zum 18. Dezember läuft die Angebotsfrist.
„Das ist natürlich ein positives Signal für unseren Industriestandort“, sagt Florian Beckermann vom Interessenverband für Anleger (IVA). „Es eröffnet den Aktionären eine Ausstiegsmöglichkeit.“ Doch eine Prämie bedeute nicht automatisch einen fairen Preis. „Das muss man prüfen“, so Beckermann.
Keine Übernahmekommission – keine Gutachten
Weil Steyr Motors weder in Frankfurt noch in Wien im geregelten Markt notiert, kommt das österreichische Übernahmerecht nicht zur Anwendung. „Es wird keine gutachterliche Stellungnahme geben“, erklärt Beckermann. Weder die Übernahmekommission noch ein Sachverständigengutachter würden tätig. Eine schriftliche Stellungnahme des Aufsichtsrats werde zwar kommen, doch der habe sich – wie auch der Vorstand – bereits positiv geäußert. „Da brauchen wir nicht viel erwarten.“
Gewinnwarnung drückte Kurs – Timing wirft Fragen auf
Die Prämie von 29 Prozent müsse man einordnen, betont Beckermann. Im Juli hatte es bereits Gespräche mit Red Cat gegeben, die dann abgebrochen wurden. Im August folgte eine kräftige Gewinnwarnung: Steyr Motors revidierte Umsatz- und Gewinnprognose deutlich nach unten. „Jetzt kommt halt dieses Angebot“, sagt Beckermann. Die Frage sei, ob das Wachstumspotenzial im Angebotspreis enthalten sei – „das werden die Aktionäre selbst entscheiden müssen.“
40 Euro als interne Kalkulationsgröße
„Ich denke, dass die 40 Euro so eine interne Kalkulationsgröße sind“, sagt Beckermann. Auf die Frage, ob er Nachbesserungsbedarf sehe, antwortet Beckermann: „Man weiß ja, in Österreich, wenn man wirklich was übernehmen will, muss man immer noch ein paar Pfeile im Köcher haben.“
Erst Mehrheit, keine Komplettübernahme
Red Cat strebt zunächst nur eine qualifizierte Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie an. „Von Übernahme reden wir noch nicht“, sagt Beckermann. Der Streubesitz beträgt rund 85 Prozent. Steyr Motors wurde von Mutares und B&C an die Börse gebracht, beide haben später Teile verkauft. B&C will ihren Anteil von 15 Prozent den Red Cat verkaufen.
Die Aktionäre hätten keinen Zeitdruck, so Beckermann. „Das Angebot läuft bis Mitte Dezember. Man kann sich Zeit lassen und das überprüfen.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



