
Mehr als 1.500 Teilnehmende, über 60 Wettbewerbsdisziplinen und eine 500.000 Quadratmeter große Fläche: Die 48. Berufsweltmeisterschaften in Shanghai sollen die größten aller Zeiten werden. Team Austria reist mit 48 Teilnehmenden in nur wenigen Wochen nach China, um gegen die besten Fachkräfte der Welt anzutreten. Darunter auch die 20-jährige Anna Tritscher, die Österreich erstmals in der neuen Disziplin „Einzelhandel“ (Retail Sales) vertritt.
Ihre ersten Berufserfahrungen sammelte sie bereits als Kind im Sportgeschäft ihrer Familie. „Ich habe meinen Papa dort immer als kleines Kind gesehen, und da war mir schon klar, dass ich einmal dort arbeiten möchte.“ Dem KURIER verrät sie, was eine gute Verkäuferin ausmacht, wie man Kunden gewinnt und warum Österreicher gerade im Einzelhandel punkten.
KURIER: Sie sind von klein auf im Familienbetrieb mit dabei und haben später auch Ihre Lehre im Einzelhandel absolviert. Was begeistert Sie so an diesem Beruf?
Anna Tritscher: Ich gehe selbst sehr gerne einkaufen. Es macht glücklich, wenn man das Richtige findet und am Ende die strahlenden Augen der Kundinnen und Kunden sieht. Ein guter Verkäufer ist ein bisschen von allem: bester Freund, Physiotherapeut, Schneider, Stylingberater oder auch Skilehrer. Es ist ganz wichtig, für den Kunden mitzudenken, damit er am Ende mit dem perfekten Produkt nach Hause geht.
Dafür braucht es entsprechendes Fachwissen zu den verschiedensten Produkten. Wie baut man sich das auf?
Beim Verkauf ist es ganz wichtig, dass man sich für die Produkte interessiert, die man verkauft. Interessiere ich mich für Autos, werde ich eher Autoverkäuferin. Interessiere ich mich für Mode, passt ein Modegeschäft zu mir. Das Produkt, das man verkauft, sollte also auch zu den persönlichen Interessen passen. Wenn man sich in seiner Freizeit gerne damit beschäftigt, fällt es außerdem viel leichter, sich ein gutes Produktwissen aufzubauen.
Wie kann man sich das vorstellen? Ich könnte fragen: „Sind Sie ein guter Skifahrer?“ Was ich aber lieber frage, ist: „Was ist bei Ihnen in der Region Ihre Lieblingspiste?“ Wenn mir der Kunde eine Anspruchsvolle nennt, weiß ich, dass er ein guter Skifahrer ist. Nennt er gemütliche Panoramaabfahrten, weiß ich, wir gehen es ruhiger an. Man muss sich auf den Kunden einstellen und schauen, was er wirklich braucht, damit er auch eine Freude hat. Im Optimalfall ist er so happy, dass er beim nächsten Mal, wenn er etwas braucht, wieder zurückkommt.
Bemühte Verkäufer kommen immer gut an – aber was macht einen wirklich guten Verkäufer aus?
Richtig zuhören und gute Fragen stellen. Wenn man das gut macht, haben Kunden das Gefühl, mit einer Freundin einzukaufen. Gleichzeitig bekommt man genau die Informationen, die man braucht, um die richtigen Produkte zu finden.
Welche Fähigkeiten braucht man im Verkauf, die viele gar nicht erwarten würden?
Das Stereotyp ist: Verkäufer legen Leiberl zusammen und stehen bei der Kassa. Das ist überhaupt nicht richtig. Auch das Layout und die Gestaltung des Geschäfts werden von Verkäuferinnen mitbestimmt – auch Marktanalysen und Intuition spielen hier eine Rolle. Manche Kunden wollen nicht angesprochen werden, das muss man merken. Andere wünschen sich ein offenes Ohr. Es braucht also Menschenkenntnis. Hierzulande werden zusätzlich der österreichische Schmäh und die Freundlichkeit sehr geschätzt – aber auch unsere …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



