ORF On darf jetzt europäische Kaufserien wie „Rosenheim-Cops“ zeigen

Kultur

TV-Reihen wie die „Rosenheim-Cops“, Krimis aus Passau und Zürich oder Filme, wie in der kommenden TV-Saison, „Das Kanu des Manitu“ oder die preisgekrönte Arthouse-Produktion „The Zone of Interest“ – dergleichen durfte bisher nur im normalen (linearen) ORF-TV-Programm gesendet werden. Die gesetzliche Situation erlaubte es dem Öffentlich-Rechtlichen nicht, Kaufproduktionen auf seiner Streaming-Plattform ORF On zu zeigen, um private heimische Anbieter nicht zu konkurrenzieren.

Diese Einschränkung fällt nun weg, wie der ORF dem KURIER auf Anfrage bestätigte.

Offiziell mit Montag startend, werden auf ORF On künftig auch europäische (!) Serien und Filme bereitgestellt, bei denen der Öffentlich-Rechtliche nicht als Co- oder Auftragsproduzent beteiligt war. Die gesetzlich vorgeschriebene Auftragsvorprüfung bei der Medienbehörde KommAustria ist nach einem Jahr positiv abgeschlossen. Die Einspruchsfrist ist am Freitag abgelaufen.

650 Stunden Programm mehr auf ORF On

„Für ORF On und damit auch für das Publikum bedeutet das deutlich mehr Programmvielfalt und zusätzlichen öffentlich-rechtlichen Mehrwert“, heißt es vom ORF. Gleichzeitig stärke man den europäischen Film- und Fernsehmarkt. Aktuell bringt das nach und nach etwa 650 Programmstunden zusätzlich für ORF On. Für den Bereich Dokumentationen oder Kulturproduktionen gibt es eine ähnliche Regelung bereits seit 2013.

Voraussetzungen für das Streaming auf ORF On:

Herkunft: Es muss sich um europäische Lizenz- und Kaufproduktionen handeln (vorrangig Inhalte von Öffentlich-Rechtlichen wie ARD, ZDF oder BBC).

Ausstrahlung: Die Inhalte müssen zuvor im linearen ORF-Fernsehen ausgestrahlt worden sein.

Verfügbarkeit: Die Verweildauer auf ORF On ist auf maximal sechs Monate begrenzt.

Geoblocking: Der Abruf ist in der Regel auf Österreich beschränkt.

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Keine US-Ware: US-Serien und Spielfilme sind von dieser Regelung ausgeschlossen.

Kosten: Die Streaming-Rechte sind häufig bereits in den Kaufpaketen enthalten, weil das heute selbstverständlich ist.

Weil Inhalte von ORF On vorerst weiterhin auch auf Joyn verfügbar sind, profitiert indirekt ProSiebenSat.1Puls4. Joyn steuert inzwischen 25 Prozent zur digitalen ORF-Online-Reichweite bei.

Mehr Kooperation anvisiert

Im ORF-Umfeld gibt es nun Ambitionen, die Vorzeichen zu ändern, um auf ORF On auch (adäquate) Inhalte heimischer Sender einzubinden. Die Privaten reagieren auf solche Kooperationsavancen vorerst negativ. Dem setzt zudem die ORF-Gesetzgebung Grenzen, über die beim Zukunftsforum von Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) nächste Woche diskutiert wird.

ARD und ZDF haben jedenfalls digital mehr Spielraum. Sie dürfen etwa Online-only-Produktionen umsetzen oder auch US-Serien zeigen. Letztere gibt es im ORF linear untertags kaum mehr und sind ein Auslaufmodell.

Fokus auf junges Publikum

Für den ab 1. Jänner amtierenden ORF-Generaldirektor Clemens Pig nimmt die digitale Transformation eine zentrale Rolle ein. Sein erklärtes Ziel ist die Entwicklung „vom Rundfunk der Gesellschaft zur Plattform der Gesellschaft.“ Teil dessen: Jüngere Zielgruppen sollen mit entsprechenden Angeboten erreicht werden.

Hier eröffnet die Neuregelung Perspektiven: Deutsche öffentlich-rechtliche Sender investieren massiv in Young-Adult-Formate für ihre Mediatheken – darunter die ZDFneo-Produktion „Crystal Wall“, deren zweite Staffel kürzlich in Wien gedreht wurde. Solche Formate könnten die Attraktivität von ORF On für jüngere Nutzer steigern.

Da diese Zielgruppe vorrangig auf Abruf streamt, sind zwar geringere Einschaltquoten bei der verpflichtenden linearen TV-Erstausstrahlung (etwa auf ORF 1) zu erwarten, was den Druck auf die Werbeeinnahmen erhöht. Angesichts des Dauer-Sparkurses sind die Spielräume aber ohnehin klein.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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