
Die Pleite der Möbelkette Kika/Leiner ist längst aus den Schlagzeilen geraten, da kommt es rund um die Mega-Insolvenz zu einem strafrechtlichen Paukenschlag. Der frühere Geschäftsführer Hermann W. wurde festgenommen und sitzt in U-Haft. Das Verfahren war ursprünglich von der Staatsanwaltschaft St. Pölten geführt worden und wurde an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) abgetreten. Der Grund liegt auf der Hand: Der mutmaßliche Schaden soll in die Millionenhöhe gehen.
„Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat die Festnahme des ehemaligen Geschäftsführers der insolventen Möbelkette angeordnet und diese wurde am 28. August 2026 vollzogen. Am 30. August 2026 hat das Landesgericht für Strafsachen Wien über den Beschuldigten antragsgemäß die Untersuchungshaft verhängt“, bestätigt die WKStA dem KURIER. „Das Gericht teilt damit die Rechtsansicht der WKStA und geht ebenfalls von einem dringenden Tatverdacht hinsichtlich der nachfolgend geschilderten Straftaten sowie dem Vorliegen der Haftgründe der Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr und Tatbegehungsgefahr aus.“
Und weiters teilt die WKStA dem KURIER zu diesem Fall mit:
„Der Beschuldigte steht im dringenden Verdacht, die Notlage von Hochwasseropfern im September 2024 gezielt ausgenutzt zu haben. Im Rahmen einer beworbenen „Unwetter-Soforthilfe-Aktion“ in den sozialen Medien wurde Kunden ein 20-prozentiger Rabatt auf Möbelkäufe versprochen, um rasch liquide Anzahlungen zu generieren“, so die WKStA. „Diese Aktion soll Teil eines systematischen Betrugs gewesen sein. Trotz tatsächlicher Zahlungsunfähigkeit des Handelsunternehmens ab Ende Jänner 2024 ließ der Beschuldigte weiterhin Anzahlungen für Möbelkäufe entgegennehmen und Wertgutscheine vertreiben, obwohl eine Lieferung mangels Liquidität unmöglich war. Von diesem Vorgehen sind mindestens 4.700 Kunden betroffen, die Anzahlungen leisteten, jedoch keine Lieferung erhielten. Der Gesamtschaden beläuft sich auf zumindest 15 Millionen Euro.“
Zudem besteht laut den Oberststaatsanwälten der WKStA „der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte kurz vor der Insolvenzeröffnung gezielt Vermögen der Möbelkette beiseitegeschafft hat, um die Befriedigung der zahlreichen Gläubiger im Insolvenzverfahren des Landesgerichts St. Pölten zu vereiteln oder zu schmälern“. Demnach soll er „Zahlungen für Rechnungen ohne adäquate Gegenleistungen freigegeben und so insgesamt 1.103.400 Euro abgezogen haben. Die Zahlungen sollen nach der aktuellen Verdachtslage an eine kooperierende Gesellschaft sowie an ein eigenes Unternehmen des Beschuldigten gegangen sein.
Der KURIER konnte den Anwalt des Beschuldigten Hermann W. nicht erreichen. Dem Vernehmen nach werden die Vorwürfe aber bestritten.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



