Staatsholding ÖBAG: Kann Thomas Arnoldner Industrie?

Wirtschaft

Seit Wochen wurde über die Kandidaten spekuliert, am Freitag war die Überraschung in heimischen Wirtschaftskreisen dennoch groß. Der Aufsichtsrat der ÖBAG bestellte einstimmig Thomas Arnoldner, 49, ab Februar 2027 zum Alleinvorstand der rund 31 Milliarden Euro schweren Staatsholding.

Ein Manager, der bei der Telekom Austria vom einstigen CEO 2023 zum Vize absteigen musste, als wichtigster Industriemanager des Landes? In der Staatsholding sind schließlich die wertvollsten Unternehmensbeteiligungen der Republik gebunkert: OMV, Verbund, Post, Telekom und Euro Telesites, Casinos Austria und die Bundesimmobilien.

In der Wirtschaft wird die Entscheidung eher skeptisch gesehen, auch wenn sich derzeit niemand zitieren lassen will. Tenor: Arnoldner muss erst einmal beweisen, ob er dieser Herausforderung gewachsen ist. Marktsituation und Rahmenbedingungen sind für die ÖBAG-Unternehmen in den nächsten Jahren alles andere als einfach.

Fragt sich, ob die Bestellung streng genommen überhaupt der Ausschreibung entspricht. Eine Bedingung war industriebezogene Managementerfahrung. Arnoldner kommt aus der IT-Branche und ist unter dem dominierenden Telekom-CEO Alejandro Plater, Statthalter des Mehrheitseigentümers America Movil, für Bereiche wie internationale Geschäftsentwicklung, Regulierung und European Affairs, Kommunikation, ESG und Investor Relations verantwortlich. Im Unternehmen ist der sympathisch und souverän auftretende Arnoldner beliebt, wird aber im Vergleich zu Plater, der die industrielle Führung über hat, als Frühstücksdirektor gesehen.

„Geld ist nicht alles“

Bei der ÖBAG wird Arnoldner, dessen Telekom-Vertrag noch bis August 2028 gelaufen wäre, um weniger als die Hälfte seiner jetzigen Gage von 1,83 Millionen Euro (2025) jobben. ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hatte angeordnet, die Vergütung für die Nachfolge von Noch-ÖBAG-Chefin Edith Hlawati (zuletzt 742.500 Euro) um zehn Prozent zu kürzen. „Man soll Dinge machen, für die man Leidenschaft hat, die man spannend findet und an denen man wachsen kann. Geld ist nicht alles“, sagt Arnoldner, geschieden und Vater zweier Buben.

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Starke Nähe zur ÖVP

Politisch hängt dem brillanten Netzwerker Arnoldner seine Nähe zur ÖVP nach. Vize-Bundesobmann der Jungen Volkspartei, katholische Studentenverbindung Nibelungia im CV, 2006 Kandidatur auf der ÖVP-Bundesliste. Weshalb es hieß, er verdanke seinen Job als Telekom-CEO dem damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Bei den Hearings hat Arnolder offenbar top präsentiert. „Der Beste hat das Rennen gemacht“, sagte ÖBAG-Aufsichtsratschef Günter Ofner nach der Sitzung. Sowohl im Nominierungsausschuss, in dem noch der Wärmepumpen-Industrielle Kari Ochsner und Postgewerkschafter Richard Köhler sitzen, als auch im Gesamt-Gremium habe Arnoldner unter den 46 Bewerbern als Bester abgeschnitten. Nicht nur beim Thema IT-Transformation der Unternehmen, auch bei Energie. Ebenso habe er eine konkrete Aufgabe am besten gelöst.

Gute Chancen wurden im Vorfeld Top-Manager Thomas Gangl eingeräumt, Ex-Chef von Borealis. Gegen ihn intervenierte jedoch Noch-ÖBAG-Chefin Edith Hlawati heftig. Letztlich war die Nähe zu Rainer Seele, Vertreter des OMV-Großaktionärs Adnoc, ein Handicap.

Arnolder muss nun die neue Industriestrategie der ÖBAG für den Standort Österreich umsetzen. Hattmannsdorfer habe sich in die Personalentscheidung nicht eingemischt, wird im Aufsichtsrat beteuert. Seine strategischen Erwartungen jedoch hat der Minister bereits klar definiert.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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