Wie abgehoben die SPÖ-Politik von der Parteibasis ist

Wirtschaft

Es sah nach einem veritablen Koalitionsstreit mit der SPÖ aus, als ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker mit dem „Zukunftsdepot“ vorpreschte. Für SPÖ, Gewerkschaft und Arbeiterkammer sind Wertpapiere immer noch kapitalistisches Teufelszeug, vor dem die Arbeitnehmer geschützt werden müssen. Dass etliche rote Granden eine kapitalmarktgedeckte Zusatzpension erwarten dürfen, während für die breite Masse das Sparbüch’l mit allenfalls staatlichen Zinszuschüssen gepriesen wird, zeigt die Abgehobenheit der Debatte.

Inzwischen hat sich die Koalition mühsam, aber grundsätzlich über das steuerfreie Veranlagen von Eltern für ihre Kinder geeinigt. Auf die Ausgestaltung darf man noch gespannt sein.

Das SPÖ-Führungspersonal agiert allerdings diametral an der Parteibasis vorbei. Diese will sich längst nicht mehr mit der Kapitalvernichtung ihres Ersparten auf schlecht verzinsten Sparbüchern abspeisen lassen.

Im Gegenteil. Drei Viertel der SPÖ-Wähler halten die Einführung eines steuerfreien „Zukunftsdepots“ für eine „sehr gute“ bzw. „eher gute“ Idee (siehe Grafik). Zum Vergleich: 85 Prozent der ÖVP-Wähler bewerten das „Zukunftsdepot“ positiv, 58 Prozent der Neos-Anhänger und 57 Prozent der Grünen. Weniger angetan sind die Blauen mit 37 Prozent.

Das sind die Ergebnisse einer Online-Befragung des Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag des zur Industriellenvereinigung gehörenden Aktienforums im September unter 500 Befragten.

Auch der Vorschlag eines staatlichen Startgelds von 500 Euro kommt bei der SPÖ-Klientel (70 Prozent) und den ÖVP-Getreuen (61 Prozent) gut an. Am skeptischsten sind Neos- und die FPÖ-Wähler.

Eine steuerliche Begünstigung der privaten Pensionsvorsorge, von der Versicherungswirtschaft schon eine gefühlte Ewigkeit lang gefordert, hätten alle gerne. Ganz vorne die Türkisen mit 90 Prozent, gefolgt von SPÖ, Grünen und Neos mit um die 80 Prozent. „Die Story, dass nur die Reichen für das Zukunftsdepot sind, ist nicht haltbar“, konstatiert Franz Fuchs, Geschäftsführer des Aktienforums. Die Österreicher würden sich für eine steuerliche Begünstigung der Altersvorsorge aussprechen, „eine linke Blockadepolitik entspricht hier schon lange nicht mehr der politischen Realität“.

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„Ressentiments“

Hohe Zustimmung findet auch der Vorschlag, Kapitalerträge steuerfrei zu stellen, wenn die Wertpapiere über einen längeren Zeitraum gehalten werden. 74 Prozent der SPÖ-Wähler sind dafür, sowie 85 Prozent der Türkisen, der Rest hält bei rund 70 Prozent.

32 Prozent der Österreicher besitzen inzwischen Wertpapiere. „Mehr als 1,3 Millionen Menschen in Österreich verdienen weniger als 3000 Euro netto im Monat und sorgen mit Wertpapieren vor“, weiß Fuchs. Der Besitz von Wertpapieren sei „in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Hier immer wieder Ressentiments über Reiche in den politischen Ring zu werfen, führt an den eigentlichen Bedürfnissen der Menschen vorbei“, ätzt Fuchs über die klassenkämpferischen Töne in der SPÖ.

Auch interessant: Nach wie vor ist der Anteil der Aktionäre bei den Grünen mit 46 Prozent am höchsten. Hat vermutlich mit dem höheren Bildungsstand zu tun. Knapp auf die Neos mit 45 Prozent, dann ÖVP (37 Prozent), SPÖ mit 31 und FPÖ mit 25 Prozent.

Dass selbst 40 Prozent der KPÖ-Wähler auf dem Kapitalmarkt unterwegs sind, dürfte freilich nicht ganz realistisch sein und wird mit der kleinen Stichprobe erklärt.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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