Wieso das Kaisertrikot nicht zum ÖFB-WM-Dress wurde

Sport

Im Sommer 2024 wollte Lawrence Gimeno eigentlich nur eines: rechtzeitig vor der Europameisterschaft ein Österreich-Trikot kaufen. Doch das Dress war ausverkauft. Aus diesem banalen Moment entstand eine Idee, die Monate später zum viralen Phänomen werden sollte. „Warum mache ich eigentlich nicht mein eigenes?“, fragte sich der Niederösterreicher mit spanischen und brasilianischen Wurzeln.

Was zunächst wie ein Spaßprojekt begann, entwickelte sich schnell zu etwas Größerem. Gimeno dachte zurück an seine Studienzeit, in der er als Touristenführer in Wien Geld verdient hat. Damals hatte er erlebt, wie fasziniert Besucher aus aller Welt von der österreichischen Kaiserzeit waren – von der Hofburg, Schönbrunn und dem Mythos der Monarchie. Genau dieses Gefühl wollte er in ein Fußballdress übersetzen: ein Leiberl, das nicht wie ein klassisches modernes Nationalteam-Shirt aussieht, sondern wie eine Hommage an die österreichische Geschichte. Das „Kaisertrikot“ war geboren.

Noch 2024 entstand der erste Entwurf. Gimeno kontaktierte Freunde beim ÖFB und legte seine Designs schließlich auch dem Verband und Ausrüster Puma vor. Dass daraus kein offizielles Nationalteam-Trikot werden würde, zeichnete sich allerdings schnell ab.

Zwei Jahre Vorlauf

ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold erklärt, dass die Entwicklung offizieller Nationalteam-Dressen ein langfristiger Prozess sei. Puma und der ÖFB würden rund zwei Jahre vor dem Launch mit der Arbeit beginnen. Zunächst entwerfe Puma erste Konzepte, die anschließend in mehreren internen Abstimmungs- und Korrekturschleifen gemeinsam weiterentwickelt würden. Die finale Freigabe liege stets beim ÖFB.

Eine offizielle Kontaktaufnahme durch Gimeno sei ihm allerdings nicht bekannt, sagt Neuhold. Für Gimeno kommt diese Reaktion wenig überraschend. „Ich weiß, dass es alle wichtigen Leute von Puma und dem ÖFB gesehen haben und ich war auch rechtzeitig dran“, sagt er. „Ich verstehe aber auch, dass Unternehmen wie der ÖFB und Puma nicht einen Trikotentwurf von einem Nobody übernehmen.“

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Aufgegeben hat er deshalb nicht. „Eine Idee hat schnell jemand, aber die haben wohl nicht geglaubt, dass ich das umsetzen kann.“

Erfahrener Trikot-Produzent

Dabei brachte Gimeno genau dafür die nötige Erfahrung mit. Als Gründer der Austrian College Sports League produziert er seit Jahren Trikots für Universitätsmannschaften – ganz nach amerikanischem College-Sports-Vorbild.

Veröffentlicht wurde das Kaisertrikot schließlich am 19. November 2025 – einen Tag, nachdem sich Österreich für die Weltmeisterschaft qualifiziert hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren die offiziellen WM-Dressen von Puma längst fertig entwickelt, auch wenn sie noch nicht präsentiert worden waren.

Was dann passierte, überraschte selbst den Erfinder. Das Trikot ging viral. Die ersten 1.000 Stück waren laut Gimeno innerhalb von 38 Minuten ausverkauft. In einer zweiten Verkaufsphase verschwanden weitere 2.000 Dressen in nur 28 Minuten. 90 Euro kostet das Trikot, personalisiert mit Name und Nummer 130 Euro.

Problematisches Symbol?

Trotz des Erfolgs bemüht sich Gimeno um Differenzierung. „Ich möchte niemandem den Spaß an den aktuellen WM-Dressen von Österreich verderben“, betont er.

Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass das Konzept politisch nicht unproblematisch ist. Das Kaisertrikot spielt bewusst mit Symbolik und Nostalgie der Monarchie – einer Staatsform, die Österreich seit 1918 hinter sich gelassen hat und die die Republik verfassungsrechtlich ablehnt.

Vielleicht liegt genau darin aber auch ein Teil des Erfolgs: Das Kaisertrikot ist weniger ein politisches Statement als ein popkulturelles Experiment irgendwo zwischen Fußball, Geschichte, Streetwear und österreichischer Identität. Und …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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