
Buchhändler Emil Murnau – hier nur „Murnau“ wie der „Nosferatu“-Regisseur genannt, was dem Ganzen gleich eine düstere Note verleiht – ist ein Wandler zwischen Welten. Wo das Reich der Lebenden und jenes der Toten ist, um bei Nosferatu zu bleiben, ist nicht ganz klar. Hier Innsbruck, wo Murnau herkommt und nun wieder lebt, dort Wien, wo er sich lange zu Hause gefühlt hat.
In Wien hat der studierte Literaturwissenschaftler ein bohemienhaftes Leben als freier Autor gelebt. Sein Studienfreund Walter wusste ihn schließlich nach Innsbruck zurückzulocken mit der Aussicht auf fixen Job, stetes Einkommen und ein bisher unbekanntes Erlebnis namens Urlaub. Doch Murnau kommt wie ein Untoter nicht zur Ruhe, nicht nur wegen des Baustellenlärms vor seiner Tür. Vor allem plagen ihn die Erinnerungen an sein früheres Leben und womöglich falsche Entscheidungen. Ist er jemals angekommen? Soll er wieder zurück? Seine Entscheidung wird hier nicht verraten, nur so viel: Die überraschende Pointe kommt aus anderer Richtung.
Christoph W. Bauer, 1968 in Kärnten geboren, heute in Innsbruck daheim, erzählt in „Lärm“ von Versäumnissen und Möglichkeiten, im Großen wie im Kleinen. Er plädiert für das genaue Hinschauen. Elegant erzählt er von den Zweifeln eines Mannes in der Krise, der jedoch
im Stande ist, über die eigenen Grenzen hinauszublicken. Bauer ist ein genauer Analyst und Reporter: Seine Stadtbilder, diesfalls von Innsbruck und Wien, sind detailreich und liebevoll. Schön, dass zwischendurch auch sein erhebliches Frankreich-Wissen aufblitzt, das er im Erzählband „Trotta und ich“ so überzeugend dargelegt hat.
Source:: Kurier.at – Kultur



