„Energiewende von unten“ erhält eine gemeinsame Stimme

Wirtschaft

Vor fünf Jahren wurden die ersten Energiegemeinschaften in Österreich gegründet. Heute gibt es bereits mehr als 10.000 davon im ganzen Land. Über 400.000 Haushalte sind Mitglieder. Die Szene wächst weiterhin rasant. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz begünstigt die lokale Stromerzeugung und -Nutzung. Nun wurde die Interessensgemeinschaft Gemeinsame Energienutzung (IGGE) gegründet, um Energiegemeinschaften eine gemeinsame Stimme zu geben.

Geeintes Auftreten gegenüber der Energiewirtschaft

Österreich sei ein Vorreiter, was das Thema betrifft, sagt Heribert Strasser, eines der 15 Gründungsmitglieder der IGGE. „Energiegemeinschaften sind eine Erfolgsgeschichte. Es ist eine unglaubliche Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft heraus.“ Die IGGE solle Interessen der Gemeinschaften – die meisten davon sind in Vereinen organisiert – bündeln und nach außen vertreten. Das sei etwa für den Dialog mit der Energiewirtschaft oder Gesetzgebern notwendig.

Hürden bei der Benutzerfreundlichkeit abbauen

Das große Ziel ist es, die Teilnahme an Energiegemeinschaften „so einfach wie einen Online-Einkauf“ zu machen, sagt Christian Hofmann, der in der Wachau eine der ersten Erneuerbaren Energiegemeinschaften (EEG) Österreichs mit aufgebaut hat. Derzeit gebe es bei verschiedenen Punkten noch einige Hürden. Einige erscheinen nicht besonders groß, hätten aber eine große Wirkung. „10 Prozent der Interessenten schaffen es nicht, im Smart Meter Webportal an der richtigen Stelle ein Hakerl zu setzen“, berichtet Karin Mairitsch, Mitgründerin einer EEG in Perchtoldsdorf. „Da wurde nicht an die Benutzerfreundlichkeit gedacht.“

Energiewende soll von unten herauf gelingen

Laut Mairitsch haben Energiegemeinschaften eine entscheidende Rolle für die Energiewende. Sie ist überzeugt, dass sie ohne einen „Bottom-up“-Ansatz, bei dem Menschen durch praktische Erfahrungen von den Vorteilen des Erneuerbaren-Ausbaus überzeugt werden, nicht gelingen könne. Dafür sei sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig, die engagierte Mitglieder von Energiegemeinschaften täglich erbringen – im Regelfall ohne dafür bezahlt zu werden.

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Strom dann verbrauchen, wenn es viel davon gibt

Die Bewusstseinsbildung sei enorm wichtig, bestätigt Stefano Coss, der Software zur Verwaltung von Energiegemeinschaften anbietet. Einerseits gehe es dabei um 
private Investitionen in Erzeugungsanlagen, die Strom nicht nur für sich selbst günstiger machen können, andererseits um ein angepasstes Verbrauchsverhalten.

Automatisierte Systeme könnten Menschen dabei optimal unterstützen, weshalb Coss in Zukunft eine Vielzahl neuer technischer Lösungen und das Entstehen neuer Geschäftsmodelle erwartet. „Durch das ElWG (Elektrizitätswirtschaftsgesetz) bekommen wir mehr Rechtssicherheit für professionelle Dienstleistungen“, so Coss. Durch intelligentes Batterie- und Lademanagement werde man es immer besser schaffen, Stromüberschüsse durch Photovoltaik zur Mittagszeit bestmöglich zu verwerten.

Niedriger Strompreis ist nicht der einzige Vorteil

Die zuletzt von großen Energieversorgern gesenkten Stromtarife sehen die IGGE-Gründungsmitglieder nicht als Hindernis. Durch die ausschließliche Nutzung niederer Netzebenen ersparen sich EEG-Mitglieder Netzentgelte, wodurch Tarife selbst dann konkurrenzfähig bleiben, wenn die Arbeitspreise über jenen von Energieversorgern liegen. Die Tarifgestaltung sei aber manchmal ein heikles Thema, so Mairitsch, denn Erzeuger in der Gemeinschaft wollen auch nicht weniger als den staatlich (von der ÖMAG) festgelegten Einspeisetarif erhalten.

Der Vorteil einer Mitgliedschaft sei aber nicht nur monetärer Natur, ist Mairitsch überzeugt. „Eine Energiegemeinschaft ist ein soziales Konstrukt. Selbst wenn Tarife erhöht werden, sehen Menschen einen Mehrwert. Es ist wie in einem Motorradklub oder Kegelverein zu sein.“ Auch Strasser sieht enormes Vertrauenskapital durch die lokale Vernetzung. Die IGGE will eine Plattform zur Vernetzung der Energiegemeinschaften untereinander kreieren. Im September ist ein Gründungskonvent …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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