Radatz-Chef: „Es könnte noch mehr Fleischkonsum sein“

Wirtschaft

Franz Radatz ist ein richtiger Fleischtiger. Veganes kommt ihm nicht auf den Teller, dafür würzige Waldviertler oder knackige Käsekrainer, denen er einmal pro Jahr eine riesige Party schmeißt. Seit fast vierzig Jahren führt der gelernte Fleischermeister den Wiener Familienbetrieb Radatz und setzt mit diesem jährlich rund 200 Millionen Euro um. Ein Business Gespräch über Wurstpreise und den gestiegenen Fleischkonsum.

KURIER: Sie haben kürzlich wieder den Welttag der Käsekrainer mit einem ordentlichen Medienaufgebot und vielen Promis zelebriert. Wie viel Vermarktung und Kult braucht Fleisch heute?

Franz Radatz: Heutzutage ist das unumgänglich. Wir haben vor über zehn Jahren mit dem Käsekrainer-Tag begonnen, allerdings in kleinem Rahmen. In dem Zusammenhang haben wir dann auch unseren Social-Media-Auftritt aktualisiert und uns wirklich in der Breite aufgestellt.

Wie sehr schauen Sie auf Klicks und Likes? 

Ich schaue mir im Grunde nur die Summe an und die ist mit 1,8 Millionen Klicks doch beachtlich! Ich glaube, es ist ganz wichtig, die Kunden und Kundinnen mit Unterhaltung bei der Stange zu halten.

Lässt sich bemessen, wie viel Sie dafür investieren und wie groß der Nutzen ist – im finanziellen Sinn? 

Werbung lässt sich immer schwer monetarisieren. Es ist auf jeden Fall viel günstiger als klassische Werbung, die heute fast nicht mehr leistbar ist in unserem Bereich.

Mit den warmen Temperaturen nimmt jetzt die Grillsaison wieder Fahrt auf … 

Unsere wichtigste Saison.

Ein Mitbewerber aus der Fleischbranche klagte jedoch, dass der Preis von Würsteln in Österreich kaputt ist. Es wäre fast unmöglich, mit Schleuderpreisen aus günstiger Produktion mithalten zu können. 

  Eigentum wieder teurer: Hier kostet der Quadratmeter am meisten

Die Preissituation kann man niemandem anlasten. Das ist branchenimmanent, weil wir sehr investitionsintensiv sind. Wir brauchen immer die neuesten Maschinen mit höherer Kapazität. Dadurch entstehen Leerkapazitäten, die wiederum zu günstigen Preisen führen. Der Konsument profitiert davon.

100 Gramm Käsekrainer kosten bei Ihnen rund 1,65 Euro. Ein guter Preis oder zu niedrig in Ihren Augen? 

Die Rohstoffpreise variieren sehr stark. 1997, da gab es den Euro zwar noch gar nicht, aber da lag der Schweineeinkaufspreis vom Schlachthof ungefähr bei zwei Euro. 2001 waren es wieder zwei Euro und dazwischen ist der Preis auf einen Euro abgesackt. Solche Sprünge kennen wir heute gar nicht mehr, aber es ist trotzdem eine Berg- und Talfahrt.

Ab Juli wird die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel gesenkt. Wurst und Fleisch fällt nicht darunter, finden Sie das gut? 

Ja, das finde ich gut, weil wir ersparen uns doch viele Umstellungskosten.

Die Österreicher essen 58 Kilogramm Fleisch pro Jahr, die empfohlene Jahresration haben wir im April bereits verputzt. Konsumieren wir zu viel Fleisch? 

Ich glaube, es könnte sogar mehr sein. Laut AMA-Statistik essen wir ein bisschen mehr Fleisch als im Vorjahr. Wobei, so ehrlich muss man sein, das ist die Verschiebung wieder zum In-Haus-Verzehr und weg vom Außer-Haus-Verzehr.

Und die Jungen? Essen sie noch Fleisch? 

Naja, nach der neuesten Ö3-Umfrage (Jugendstudie, Anm.) essen die 16- bis 25-Jährigen zu 84 Prozent Fleisch.

Also war der Vegan-Hype nur ein Sturm im Wasserglas? Haben Sie Ihr Sortiment deshalb nie um pflanzliche Produkte erweitert? 

Wir haben ein Chili sin Carne bei den Fertiggerichten. Gemüselaibchen vegetarisch machen wir seit Jahrzehnten schon, die kommen sehr gut an. Es ist also keine prinzipielle Abneigung, aber ein …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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