ORF-Bewerber Breitenecker: „Parteien haben nichts mitzureden“

Kultur

Markus Breitenecker im Anzug ist immer noch ein ungewohntes Bild. Als ProSiebenSat.1Puls4-Chef war er Jahrzehnte mit Hoodie und Werbeaufschrift für seine Sender und die Plattform Joyn unterwegs. 

Für seine ORF-Bewerbung hat er nicht nur sein Äußeres geändert – und das soll aus seiner Sicht so bleiben: „Ich gehe davon aus, dass ich sehr gute Chance habe und eine Mehrheit im Stiftungsrat bekomme“, sagte Breitenecker am Freitag bei einer Pressekonferenz.  Möglich machen soll das sein 144 Seiten dickes Bewerbungskonzept (plus Anhang) mit dem Titel ein „Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zum Marktmotor“.  Ziel dessen ist ein kooperativer Medienstandort, den es brauche, damit Österreich nicht von der elektronischen Landkarte verschwindet.

„Man könnte sagen, dass ich an diesem Konzept mein gesamtes Leben geachtet habe.“ Konkret entschieden zur Bewerbung habe er sich aber, als er die Ausschreibungskriterien gelesen habe. Die würden „doch sehr gut zu meinen Lebenslauf und zu meinem Track Record (Erfolgsbilanz, Anm.) passen“, meinte er. 

Markus Breitenecker will einen ORF mit klarem Fokus auf den Public-Value-Auftrag, einer wirtschaftlich soliden Basis, einer guten Unternehmenskultur und einer technologischen Vorreiterrolle. Der ORF, dessen Führung er anstrebt, ist dabei ein „zentraler Hebel“, um die mediale Souveränität Österreichs in Zeiten von Big-Tech-Giganten und deren Streaming- und Social-Media-Plattformen zu behaupten.

Will nicht Sendern streichen und Programm sparen

Ein zentraler Aspekt von Souveränität sei Qualitätsjournalismus im Sinne des Gemeinwohls. Es brauche „unabhängige, starke Redaktionen, die unparteiisch, ausgewogen und angstfrei arbeiten können“, stellte der 57-jährige Wiener klar. Um souverän arbeiten zu können, brauche es aber eine wirtschaftlich solide Basis. „Je näher beim Zuschauer, desto weniger sparen“, sieht er große Kürzungen im Programmbudget skeptisch. 

  Reif für die Insel

Er stellt auch klar: Sender und wesentliche Programmsäulen sollen erhalten bleiben. Synergien sieht er in dahinterstehenden Prozessen. ORF III selbst stellt er nicht in Frage, über die Integration ins Mutterhaus würde auch er diskutieren. 

Sparpaket „extrem hart“

Dass drohende weitere Sparpaket in Höhe von 85 Mio. Euro pro Jahr für den ORF – die Regierung wälzt entsprechende Pläne – bezeichnet er als „extrem hart“. Es zu stemmen, sei aber „nicht unmöglich“.

Breitenecker ortet noch Potenzial auf der Einnahmenseite – nicht mit Blick auf die Gebühren, die den Großteil der Einnahmen ausmachen, sondern im kommerziellen Bereich. Auf internationaler Ebene sei „noch einiges möglich, um die Einnahmen zu erhöhen“, sagte Breitenecker mit Blick auf die BBC, die 30 Prozent durch kommerzielle internationale Tätigkeiten generiere. 

Apropos international: Der Medienmanager will, sollte er gewählt werden, in Kooperation mit weiteren Mitgliedern der European Broadcasting Union (EBU) eine europäische Streamingplattform etablieren. Arbeitstitel: „Eurovision Play“.

Fokus auf ORF ON

In Österreich will er den Fokus auf die bestehende Streamingplattform ORF ON legen. Sie müsse „zentrale Plattform und Dachmarke“ werden – als Teil einer „echten Transformation vom Broadcaster zur Public-Service-Streamingplattform mit intensiver Bürgerbeteiligung und -dialog“. „Ich weiß, das steht in vielen Sonntagsreden und Konzepten, aber ich habe in den vergangenen Jahren nachweisen können, dass man Transformation tatsächlich umsetzen kann“, sagte Breitenecker mit Blick auf die Plattform Joyn aus dem Hause ProSiebenSat.1Puls4.

Der ORF ist wie viele andere Sender auch auf Joyn vertreten. Diese Grundidee eines gemeinsamen Players findet er nach wie vor gut. Er verstehe aber auch die …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.