Zweite Akademie der Moderne: Unter dem Wert geschlagen

Kultur

Milo Rau setzte im ersten Jahr seiner Intendanz mit der „Zweiten Akademie der Moderne“ ein wichtiges Zeichen. Er wollte gegen den Umstand, dass lediglich 7,7 Prozent der aufgeführten Werke des aktuellen Konzert- und Opernrepertoires von Komponistinnen stammen, etwas unternehmen. Das tut er auch. Aus dem Projekt ging in der aktuellen Ausgabe der Festwochen das aufwühlende Musiktheaterstück „A Day before“ von Brigitta Muntendorf als denkwürdiges Plädoyer gegen den Krieg hervor.

Die „Akademie“ wurde in diesem Jahr unter dem Titel „No more excuses“ in zwei Teilen fortgesetzt. Wieder musizierte das Klangforum Wien mit Susanne Blumenthal am Pult im Radiokulturhaus. Sehr bescheiden indes fiel die Präsentation aus.

Eine Musikwissenschafterin moderierte in nicht sehr gut verständlichem Englisch. Die Komponistinnen kamen in diesem Jahr gar nicht zu Wort. Gesangstexte wurden weder übersetzt, noch im Programm abgedruckt, was bei der verstörend stark gefertigten Komposition der Kenianerin Nyokabi Kariũki, die selbst mit Intensität sang, sehr erhellend gewesen wäre.

Bedauerlich

Man hätte auch gern gewusst, welche der exzellenten Musikerinnen und Musiker des Klangforums welche Werke aufführen. Das alles ist mehr als bedauerlich.

Vor allem die Komponistinnen hätten sich eine gebührende Präsentation verdient. Allen voran Tania León. Die vor 83 Jahren in Havanna geborene Tonschöpferin dirigierte ihre brillante Komposition „Indígena“ selbst. Darin verwob sie auf eingängige Weise die Musik der Karibik mit Elementen klassischer Symphonik und zeitgenössischer Musik. Da wurde klar, warum sie mit dem Pulitzer-Preis für Musik ausgezeichnet wurde.

Zu den spannendsten Komponistinnen zählt die 42-jährige in Äthiopien geborene Sofia Jernberg. Sie soll bei den nächsten Festwochen ihre Oper „Sunville“ zur Aufführung bringen. Das ist gut. Nach dem Ausschnitt „Das Meer löscht“ möchte man von diesen mit jazzigen Passagen durchwebten Werk mehr hören. Bereits im Jahr 2020 brachte die Ukrainerin Anna Korsun ihr Stück „Marevo“ zur Uraufführung. Darin verwandelt sie den Klang von Streichinstrumenten durch präzises Verstärken und Verzerren in das Geheul von Sirenen. Heute, vier Jahre nach dem Ausbruch des Kriegs in ihrem Land, bekommen die Geräusche eine andere Dimension, wenn sie wie in Wellenbewegungen den Saal fluten.

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Furiose Kompositionen

Dass diese Ausgabe der „Akademie“ mit einer extremen Dichte an furiosen Kompositionen prunkt, verdrängt den Ärger über die Schlichtheit der Art, diese zu präsentieren. Wie bei der Koreanerin Imsu Choi. Sie öffnet mit ihren Arbeiten neue Klangräume. Wenn sie diese mit der Stimme des Ondes Martenot umrahmt, führt sie in einen faszinierenden Klangkosmos, aus dem man nicht so schnell auftauchen will.

Hier wird klar, alle diese Kompositionen sollen nicht aus Diversitätsgründen aufgeführt werden, sondern wegen ihrer Qualitäten.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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