
Die Luft für Gianni Infantino an der Spitze des Fußball-Weltverbandes FIFA wird dünner und dünner. Nach dem gescheiterten Investoren-Deal wächst der Druck auf den Präsidenten – vor allem aus Europa. Am Montag zogen neben Wales auch Schweden und Serbien öffentlich ihre Unterstützung für die von Infantino angestrebte Wiederwahl 2027 zurück.
Kritik an Infantino: „Versagen, das wir nicht akzeptieren können“
„Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können“, erklärte der walisische Fußball-Verband FAW. Auch England soll Medienberichten zufolge ein derartiges Schreiben an die FIFA-Spitze vorbereiten.
Gegenwind bekommt Infantino mittlerweile auch aus dem eigenen Lager. Trainer-Legende und FIFA-Funktionär Arsène Wenger meldete sich am Dienstag erstmals zu Wort. „Ich war an diesem Plan nicht beteiligt und habe erst aus der Presse von diesem Vorhaben erfahren“, erklärte der Franzose, der als Direktor der Abteilung für globale Fußballentwicklung bei der FIFA arbeitet.
Übernimmt jetzt eine Frau die FIFA?
„Die Entscheidung, das Projekt zurückzuziehen, war absolut notwendig und unumstritten“, schrieb Wenger. Sein Statement fällt allerdings deutlich zurückhaltender aus als die Kritik vieler anderer.
Auch Infantinos Vorgänger Sepp Blatter schaltete sich ein. Der Schweizer fordert den Rücktritt des FIFA-Präsidenten und sprach sich für Norwegens Verbandschefin Lise Klaveness als neue Frau an der FIFA-Spitze aus. „Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und bei der FIFA ist die Zeit reif dafür, dass eine Frau übernimmt“, schrieb der 90-Jährige bei X.
Infantino macht Stimmung: Werbung auf Instagram, Anruf bei Trump
Ein freiwilliger Rückzug Infantinos ist zwar möglich, erscheint aber unwahrscheinlich. Ganz im Gegenteil: Der 56-Jährige bemüht sich weiterhin um Unterstützung und wird dabei selbst aktiv. Wie die britische Tageszeitung Times berichtet, soll Infantino nach dem Scheitern seiner Investorenpläne bei seinem guten Freund Donald Trump angerufen haben. Beim US-Präsidenten wollte der Schweizer angeblich Hilfe suchen.
Die FIFA wies die Berichte allerdings zurück: „Der FIFA-Präsident hat in den vergangenen Tagen weder den Präsidenten der Vereinigten Staaten noch ein Mitglied seiner Regierung angerufen. Das ist frei erfunden.“
Internes Mail klingt wie Bewerbungsschreiben
Auf Instagram betrieb Infantino unterdessen Eigenwerbung, indem er Mitteilungen von Verbänden teilte, die ihm weiterhin Unterstützung zusichern. Darunter befinden sich unter anderem die Fußball-Großmächte Bhutan, Kuwait oder Sri Lanka.
Währenddessen wandte sich FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström in einer internen Mail an die Mitarbeiter des Weltverbandes. „Wir alle wurden mitten in einen Aufruhr hineingeworfen, der nur schwer zu begreifen und zu akzeptieren ist“, schrieb der 45-Jährige laut Sky News und fügt an: „Ich möchte außerdem, dass ihr wisst, dass euch meine Tür weiter offensteht. Ich werde unsere Teams, unsere Arbeit und unsere Mission weiter jede Stunde eines jeden Tages unterstützen, solange meine Arbeit von denjenigen geschätzt wird, denen wir dienen.“
Die Worte klingen fast wie ein Bewerbungsschreiben für die Nachfolge an der FIFA-Spitze. Die FIFA-Wahl findet am 18. März 2027 in Marokko statt. Kandidaten müssen ihre Bewerbung bis zum 18. November einreichen.
Source:: Kurier.at – Sport



