
Als Marco Wörgötter im Juli sein zweiwöchiges Praktikum in der Justizanstalt Salzburg antrat, war er noch ein Gefangener seiner Träume. Zu diesem Zeitpunkt hatte nichts darauf hingedeutet, dass sich der Tiroler schon bald befreit wie noch nie in seiner Skispringerkarriere fühlen würde. „Es war für mich ja schon ein Erfolg, dass ich in Wisla überhaupt dabei sein durfte.“
Zweiter in der Gesamtwertung
Marco Wörgötter war dann beim Auftakt zum Sommer-Grand-Prix nicht nur dabei, er war in Wisla sogar mittendrin in der Verlosung um die Topplatzierungen: Rang 2 am Samstag, Rang 8 am Sonntag – macht den zweiten Platz in der Gesamtwertung hinter dem Japaner Naoki Nakamura.
„Das tut gerade so gut“, sagt Wörgötter, „das Wochenende war sehr emotional.“
Absoluter Tiefpunkt
Gerade einmal 146 Tage liegen zwischen diesem Highlight und dem absoluten Tiefpunkt in seiner Karriere. Als Marco Wörgötter im März beim FIS-Cup in Oberhof abgeschlagen auf Rang 41 landete, schien wieder einmal ein jugendlicher Überflieger auf dem Boden der Realität aufgeschlagen zu sein. Gescheitert an den hohen Erwartungen, zerbrochen an den Triumphen im Teenageralter.
Der FIS-Cup ist die dritte Leistungsstufe im Skispringen, wer sich hier nicht richtig in Szene setzen kann, ist eigentlich ein hoffnungsloser Fall. Vor allem aber ist der FIS-Cup keine Bühne für einen Springer wie Marco Wörgötter, der 2020 bei den Jugendspielen Olympiagold holte und Juniorenweltmeister wurde.
Schwerer Rucksack
Jungstar, Überflieger, Zukunftshoffnung – all diese Attribute bekam der Kitzbüheler damals umgehängt. Das ist ein schwerer Rucksack an Erwartungen, mit dem es sich nicht leicht durch die Lüfte fliegen lässt.
Während andere gleichaltrige (Daniel Tschofenig) oder jüngere Athleten (Stephan Embacher) durchstarteten, plagte sich Marco Wörgötter in den drittklassigen Bewerben des Skispringens.
„Ich habe mir als Junger gedacht: Jetzt starte ich richtig durch und zeige es allen“, erzählt der 23-Jährige. „Aber ich hatte Erwartungen und Ziele, die ich einfach nicht erfüllen konnte.“
Bei seinem Weltcupdebüt im Jahr 2020 hatte der Tiroler als 22. immerhin noch seine ersten Punkte gesammelt, danach ging es steil bergab. Nach der letzten Saison und den enttäuschenden Auftritten im FIS-Cup strich der ÖSV den Jugend-Olympiasieger aus seinen Kadern.
Vertrauter Trainer
Wörgötter zog die Reißleine und kehrte an den Ort zurück, wo alles begann und er als junger Springer flügge wurde: Im Gymnasium Saalfelden (HIB) schloss er sich seinem früheren Coach Hannes Wenninger an und trainierte auf eigene Kosten mit den Schülern.
Die Einheiten mit dem vertrauten Betreuer haben Marco Wörgötter auf die Sprünge geholfen, wie seine beeindruckenden Auftritte in Wisla zeigen. Die 3.200 Euro, die der Justizsportler für den zweiten Platz kassierte, sind das höchste Preisgeld seiner Karriere.
Aber viel wertvoller ist da schon die Ergebnisliste: Marco Wörgötter hat es erstmals schwarz auf weiß, dass er mit den Besten der Welt mitspringen kann. „Das gibt mir so viel Vertrauen. Ich sehe, dass ich es drauf habe.“
Der Tiroler wird sich vorerst freilich in Geduld üben müssen. Zur nächsten Station im Sommer-Grand-Prix am Wochenende in Courchevel schickt der ÖSV sein Nationalteam rund um Tschofenig und Stefan Kraft.
Großes Ziel
Marco Wörgötter ist sich bewusst, dass es gerade in Österreich ein weiter Weg ist bis in den Weltcup. „Wir haben einfach zu viele Topspringer.“
Der 23-Jährige …read more
Source:: Kurier.at – Sport



