
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat seine Rede an die Nation zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit für eine Kampfansage an Russlands Präsidenten Wladimir Putin genutzt. Russland müsse durch die Einheit der internationalen Gemeinschaft in die Knie gezwungen werden, sagte Selenskij in einem 20-minütigen Video. Er kündigte darin weiteren Widerstand gegen Putins Krieg an. „Die Ukraine wird das schaffen. Die Ukraine hat bereits Aufgaben bewältigt, die anfangs unüberwindbar schienen“, sagte Selenskij nach mehr als 1.640 Kriegstagen.
„Bei all seinen Plänen bezüglich der Ukraine hat sich Putin im Wesentlichen geirrt“, sagte Selenskij. Der Präsident und die Russen hätten unterschätzt, wie entschlossen die Ukrainer um ihre Unabhängigkeit kämpfen. „Unsere Hartnäckigkeit ist für sie eine Nummer zu groß.“ Putin habe Russland groß machen wollen, heute gebe es lange Schlangen an den Tankstellen. Seine Soldaten würden von Kiews Armee auf dem Schlachtfeld „zu Dünger“ gemacht.
Zugleich räumte Selenskij ein, dass die Lage „für uns alle wirklich sehr, sehr schwer“ sei. Er lehnte es dennoch erneut ab, das von Russland geforderte Gebiet Donezk aufzugeben. Niemand glaube, dass damit der Krieg beendet wäre, sagte Selenskij. „Wir vertrauen ihnen nicht.“ Die Ukraine sei längst ein anderer Staat und verschenke nichts. Das Land sei „kein Opfer, sondern ein Kämpfer“.
Selenskij schwört Land auf Kriegsfortsetzung ein – Appell an China
Selenskij hob auch die Errungenschaften im fünften Kriegsjahr hervor: „Tatsächlich ist unsere Rüstungsindustrie heute ein Gigant, der rund um die Uhr unsere Unabhängigkeit stärkt.“ Das Land sei stolz auf die täglichen Schläge gegen Ziele im russischen Hinterland, darunter Schiffe, Logistikzentren und Ölraffinerien. Zugleich schwor der Präsident sein Land auf eine Fortsetzung des Kriegs um die Unabhängigkeit ein: „Wir müssen unser Militär stärken und über alles verfügen, um unsere Verteidigung aufrechtzuerhalten.“
Einen besonderen Appell richtete Selenskij an die Führung in Peking, die Putin unterstützt. „China darf nicht länger schweigen“, sagte Selenskij. Das Land müsse seinen Führungsanspruch auch „zivilisatorisch“ untermauern, „indem es deutlich macht, dass kein Diktator den Planeten mit seinen veralteten Sprengköpfen bedrohen darf“.
Zugleich lobte er die USA unter Präsident Donald Trump. Das Land habe seine Illusionen über Russland verloren und verstanden, dass Putin den Krieg nicht beenden wolle. Das Land verliere auch seine Ängste gegenüber Russland und verstehe, dass Moskau an den Verhandlungstisch gezwungen werden müsse. „Es braucht endlich Sanktionen, unter denen sie aufheulen werden“, sagte Selenskij, der immer wieder eine härtere Gangart des Westens fordert.
Russische Angriffe am Jahrestag
Am 35. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine ist das Land erneut von Russland attackiert worden. Ein russischer Angriff in der Stadt Charkiw im Nordosten tötete nach Angaben des regionalen Gouverneurs in der Nacht auf Montag drei Menschen. Bei ukrainischen Gegenangriffen starben in Russland vier Menschen, darunter zwei Kinder.
Bei dem russischen Angriff in Charkiw gab es auch zahlreiche Verletzte, wie Gouverneur Oleh Synjehubow über den Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. Die Suche nach weiteren möglichen Opfern dauere an. Darüber hinaus traf das russische Militär nach eigenen Angaben einen Tanker mit Treib- und Schmierstoffen für ukrainische Truppen in der Nähe von Odessa. Das Schiff habe sich im Hafen von Piwdennyj befunden, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Zudem seien Anlagen der …read more
Source:: Kurier.at – Politik



