Was deutsch sein darf: Die AfD und ihr Hassobjekt Bauhaus

Politik

„Hallo, ich bin der Uli, willst Du ein Foto mit mir?“

Sieht man Ulrich Siegmund bei seinen Wahlkampfauftritten, ist klar: Der Mann fühlt sich wie ein Popstar. Er hat auch guten Grund dazu: In seiner Heimat Sachsen-Anhalt wird in zwei Wochen gewählt. Wenn nichts gravierend schiefgeht, wird seine AfD mit großem Abstand auf Platz eins landen – und vielleicht sogar allein regieren. Dass der Spiegel den 35-jährigen Betriebswirt letztens auf dem Cover zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ adelte, hat seiner Kampagne nur den letzten Schliff verliehen. Seither signiert er das Magazin bei jedem Auftritt mit Genugtuung.

Was ist deutsch?

Die Spiegel-Geschichte ist aber mehr als eine Randnotiz im Deutschland des Jahres 2026. Vor drei Jahren urteilte der Inlandsgeheimdienst, dass Siegmund und seine Partei eindeutig rechtsextreme Bestrebungen verfolgen, sie nicht weniger wollen als die Verfassung zu beseitigen und den Staat zu untergraben. Seither wird die AfD Sachsen-Anhalt fast in jedem Artikel gebetsmühlenartig „gesichert rechtsextrem“ genannt. Doch die Vorstellung davon, was das wirklich heißt, ist vage.

Diese Unschärfe hat Methode, und der Spiegel hat dabei so perfekt mitgespielt, wie es sich die AfD nur wünschen kann: Sie hat ihm eine Wahlkampf-Steilvorlage geliefert, von der er sich mit Augenzwinkern distanzieren kann. Seit Jahren mäandert die Partei an der Grenze des Sag- und Denkbaren, spielt mit Nazi-Begriffen, und dem völkischen Verständnis des Deutschtums – Björn Höckes Rede vom „Schuldkult“ und von der „dämlichen Bewältigungspolitik“, von der das Land befreit werden müsse, ist nur eines von vielen Beispielen. Die Partei spielt immer wieder mit der Frage, mit der Deutschland schon lange hadert: Was ist deutsch – und was nicht?

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Gewöhnlich macht sie das recht plakativ in Migrationsfragen. Doch in Sachsen-Anhalt arbeitet sie sich auch an einem scheinbar harmloseren Gegenstand ab: an der Architektur. Seit zwei Jahren kampagnisiert die AfD dort unter dem Schlagwort „patriotischer Kulturpolitik“ gegen Bauhaus, die einflussreichste deutsche Schule der Moderne. Die schmucklosen Linien, die Reduktion aufs Wesentliche, der soziale Anspruch – moderner Wohnraum für alle, jenseits nationaler Stiltraditionen – stehen für die AfD in Widerspruch zu dem, was die Partei als „deutsch“ sieht. Bauhaus sei ein „Irrweg der Moderne“, ein „Einheitsbrei“ und „globalistisch“; Architektur werde so „entortet“, heißt es. Sie fordert, die Museen in Dessau und Weimar – sie sind UNESCO-Weltkulturerbe – finanziell auszutrocknen.

Damit wiederholt die AfD nicht die Geschichte. Doch die verbalen und historischen Parallelen sind „sicher kein Zufall“, wie auch die Chefin der Institution, die Österreicherin Barbara Steiner, mehrfach sagte: Schon die Nazis machten Bauhaus-Künstler zur Zielscheibe. Sie diffamierten die Schule als „undeutsch“, „internationalistisch“ und „entartet“. 1933 wurde das Bauhaus in Dessau gefilzt und versiegelt, zahlreiche Künstler wurden inhaftiert, wurden verfolgt oder ermordet. Die Prominenz der Bewegung – Walter Gropius oder Paul Klee – ging ins Exil; Ludwig Mies van der Rohe versuchte den Schulterschluss mit Hitlers Regime, floh aber 1938 auch.

Umdeutung

Dass nun ausgerechnet das Bauhaus, Deutschlands vielleicht erfolgreichster kultureller Export des 20. Jahrhunderts, nicht deutsch genug sein soll, ist für viele Kulturschaffende traurige Ironie. Zeitgleich verstehen es die Kulturinstitutionen als eine eindrückliche Warnung: Am Freitag veröffentlichten sie auf Initiative von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sogar das …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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