Tremolo und scheppernde Sitze: So war das Konzert von Andrea Bocelli

Kultur

Das Happel-Stadion hat schon viele Konzerte gesehen. Meistens ist der Dresscode eher leger. Am Samstag konnte es passieren, dass man hier feines Tuch und elegante Kleider sah. Vereinzelt sah man statt der üblichen Pfandbierbecher Sektgläser, die in die Ränge balanciert wurden. Eine Durchsage bat darum, dass die Handys während des Konzerts ausgeschaltet bleiben. Ein Kuriosum, denn jeder, der beim Geräuschpegel eines Stadionkonzerts vermag, ein Handy läuten zu hören, muss Ohren wie ein Luchs haben. Ein genetisch und nanotechnologisch veränderter Luchs. Bei dem sich der Geheimdienst zwecks Anwerbung melden dürfte. Die Bitte, während der Darbietung den Platz nicht zu verlassen, hatte da schon mehr Sinn. Das sportlich blecherne Scheppern, das so ein Klappstuhl, von der Last eines Hinterns befreit, von sich gibt, störte schon die erste Arie des Abends tatsächlich.

Alles bestuhlt

Moment, Arie? Ja, im Oval im Prater gastierte der Opernpopstar Andrea Bocelli. Vor 30.000 Menschen, wie der Veranstalter schnell war, zu verkünden. Diese durften alle sitzen, auch dort, wo sonst Stehplätze sind, war bestuhlt. Von den Plätzen riss sie erst Bocellis Überhit „Con te partiró“, am Ende als Zugabe gesungen. So weit sind wir aber noch lange nicht.

Bocelli hatte erst kürzlich bei der Eröffnung der Fußball-WM auch, aber anders in einem Stadion gesungen, und zwar den speziell unattraktiven Song „DNA“ in Kooperation mit K-Pop Star EJAE, Rapperin Meghan The Stallion und David Guetta. Gefällt ihm wahrscheinlich selbst auch nicht besonders, denn von diesem Lied gab es keine Spur am Samstag. Die Tour, die Bocelli gerade um die Welt führt, ist freilich auch eine Feier des 30-jährigen Jubiläums seines Albums „Romanza“. Wer Musik daraus erwartete, musste sich allerdings bis nach der 20-minütigen Pause gedulden. Im ersten Teil der Show gab es nämlich nur „echte“ klassische Musik.

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Und zwar nicht nur von Andrea Bocelli vorgetragen. Gut, man hätte vorgewarnt sein können. Eine Ticketshop-Kundenrezension des Tourstopps in Tampa, Florida fasste die ersten Minuten recht treffend zusammen: „Als er auf die Bühne kam und gesungen hat, war es herrlich, dann kam irgendsoeine Lady raus und hat ewig viel zu laut gesungen.“

Heiße Lippen

So war es in der Tat: Nach zwei Verdi-Arien zog sich Bocelli erstmal zurück und überließ Cristina Pasaroiu die Bühne. Sie gab als Wien-Zugeständnis „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ schrill, aber engagiert. Es folgte – nicht Andrea Bocelli. Sondern Geigerin Rusanda Panfili, die auch das heimische Publikum musikalisch begrüßte mit einer Anspielung auf „Wien, Wien nur du allein“ in ihrem Medley. Nach zwei Duetten mit Pasaroiu ging der Mann, der auf dem Poster der Veranstaltung abgebildet ist, wieder ab. Dafür sorgte Roberto de Candia mit der berühmten Figaro-Arie für Stimmung.

Nach einer Chor-Version (Bachchor Stuttgart) mit pasodobligem Begleittanz von „O Fortuna“ aus der „Carmina Burana“, die auf keiner „Klassikhits, die sie kennen sollten“-CD fehlt, gab es wieder eine Bocelli-Sichtung. Das Duett mit de Candia („Au fond du temple saint“ aus Bizets „Perlenfischer“) geriet zu einem der berührendsten des Abends. Für ein Grande Finale des ersten Teils kam Pasaroiu wieder dazu. Danach wurden die Buffets wieder geöffnet.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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