„Lernen von der FPÖ“: Alice Weidels Kampfansage an Kanzler Merz

Politik

Zuseher der beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland hatten am Sonntagabend keine Alternative zur „Alternative für Deutschland“. In beiden Kanälen gaben die Chefs der AfD große Interviews: Im ZDF zog Alice Weidel vom Leder, in der ARD Tino Chrupalla, der sich aber handzahmer gab als seine Co-Vorsitzende. 

Diese zeigte sich siegessicher auf dem Weg ins Kanzleramt und schoss sich voll auf die Union (CDU/CSU) unter Regierungschef Friedrich Merz ein. Dort wächst die Nervosität angesichts katastrophaler Umfragewerte. Dem Kanzler und seiner schwarz-roten Koalition steht ein schicksalhafter Herbst bevor.

Lernen von der FPÖ

„Die DNA der CDU ist die Lüge“, formulierte Alice Weidel spitz und legte dann noch nach: „Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen und irgendwas versprechen und genau das Gegenteil davon tun.“ 

Deutschland werde kaputt gemacht, meinte die 47-Jährige in dem Gespräch. Geführt wurde es in Wien, weshalb die Parteichefin am Rande auch betonte, dass die AfD durchaus von der FPÖ lernen könne, die in Österreich in fünf Landesregierungen vertreten sei.

Weidels Brachialansagen

Mit Brachialansagen versuchte sie, beim Heimat-Publikum zu punkten. Stichwort Erderwärmung: „Dieses ganze Zeug“ – gemeint waren Klimaschutz-Maßnahmen – werde man wieder abschaffen. 

Stichwort Euro: Aus dieser instabilen „Weichwährung“ werde man wieder aussteigen, stellte die gelernte Volkswirtin in Aussicht. 

Stichwort Migration: Das Schengen-Abkommen, also den prinzipiellen Verzicht auf Grenzkontrollen, werde man ebenfalls aufkündigen, alle 1,3 Millionen syrischen Flüchtlinge werde man in deren Heimat „zurückführen“.

Und dann – im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September), Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (jeweils am 20. September), die klare Kampfansage an Kanzler Merz: „Wir werden in den ersten Bundesländern regieren. Und wir werden auch im Bund regieren.“

  Island vor historischem Referendum: Die EU-Frage spaltet die Insel

Besonders bitter für Friedrich Merz: 85 Prozent (!) sind nicht zufrieden mit seiner Arbeit, selbst unter den CDU/CSU-Anhängern kommt mehr als die Hälfte zu dieser Einschätzung. Und 54 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Kanzler nicht die volle Amtsperiode (regulär bis 2029) übersteht, jeder fünfte rechnet schon für heuer mit dem Aus des schwarz-roten Bündnisses.

„Brandmauer“ in Frage gestellt

An der Basis macht sich ob all dieser Hiobsbotschaften Unmut bis Panik breit. Immer öfter wird die viel zitierte „Brandmauer“ in Frage gestellt – also die kategorische Ablehnung jeglicher Zusammenarbeit mit der AfD, aber auch mit der Linken. Innerparteiliche Streitereien etwa bei der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren sorgen zusätzlich für Streit innerhalb der CDU.

Der Kanzler, der eine Regierungsumbildung zu Sommerbeginn ordentlich vergeigte und erst am vergangenen Wochenende von einem langen Urlaub wieder die Amtsgeschäfte in Berlin übernommen hat, ist mehr als gefordert. 

Vor dem zu erwartenden „heißen Herbst“ trommelte er am Montag die CDU-Spitzen zu Beratungen zusammen, heute, Dienstag, und am Mittwoch geht die Regierung in  Klausur – um Wege aus der Krise zu finden.

Ein paar Tipps dazu hält der Kommunikationsexperte Raphael Brinkert bereit – er hatte erfolgreich die Kampagne zur Europawahl für die CDU und die beiden für Olaf Scholz (SPD) für das Kanzleramt organisiert. „Merz wurde als Mann des Kurswechsels gewählt. Jetzt muss er beweisen, dass Kompromiss nicht Kursverlust, sondern Führung sein kann.“ Er müsse sagen, wofür diese Regierung stehe und wohin sie das …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.