
Am Montag startete in Wien, Niederösterreich und im Burgenland die zweiwöchige Sommerschule, alle anderen Bundesländer starten kommenden Montag.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) freute sich Montagvormittag bei einem Medientermin an einer Sommerschule in Wien-Ottakring über einen neuen Besucherrekord mit 58.800 Schülerinnen und Schülern, die in diesem Jahr teilnehmen.
Der Besucherrekord hat auch damit zu tun, dass die Bundesregierung erstmals Schüler verpflichtet hat, und zwar jene, die im vergangenen Schuljahr den Unterricht nur als „außerordentliche“ Schüler wegen Sprachdefiziten besuchen konnten – also nicht benotet wurden. 15.700 Schüler mussten die Sommerschule verpflichtend besuchen, für die anderen 42.800 Schüler war die Teilnahme freiwillig und ebenso kostenfrei, nach Anmeldung am Ende des Schuljahrs. Die Sommerschulbestätigung gilt auch als Öffi-Fahrschein wie auch während des Schuljahres, heißt es seitens des Ministeriums.
Zuletzt hatte der Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer belegt, dass rund 338.000 Kinder und Jugendliche (32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler) private – und meist kostspielige – Nachhilfe benötigen.
Ausreichen Lehrer
Das Problem, ausreichend Pädagogen motivieren zu können, an der Sommerschule teilzunehmen war dann doch keines: Wiederkehr zeigte sich erfreut über den Umstand, dass sich mehr als 7.000 Lehrkräfte, darunter auch Pädagogik-Studenten, bereit erklärten, ihren achtwöchigen Sommerurlaub schon früher zu beenden.
Die Sommerschule soll gleich mehrere Probleme lindern: Es gibt den Schülern wieder eine Tagesstruktur nach den langen Ferien, nach Anmeldung ist die Teilnahme verpflichtend. Dann dient die Sommerschule den Auffrischen des zuletzt Gelernten. Vor allem aber sollen die Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache wieder die Unterrichtssprache sprechen. Wiens Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs betonte bei dem Termin, dass der Wiedereinstieg für Schüler nach den langen Ferien immer schwierig sei und die Sommerschule eine gute Möglichkeit, sich wieder auf den Schulalltag einzustimmen. Teilweise wird nach der Sommerschule auch eine Nachmittagsbetreuung angeboten, das obliegt aber den Ländern und Gemeinden, heißt es seitens des Ministeriums.
Pandemie-Idee
Die offizielle Sommerschule in Österreich wurde im Jahr 2020 eingeführt, nach den zahlreichen Schul-Lockdowns aufgrund der Covid-Pandemie. Sie fand auch damals zum ersten Mal in den letzten beiden Ferienwochen statt, um Schüler mit Förderbedarf, insbesondere beim Aufholen von Lernrückständen und im Bereich Deutsch, zu unterstützen.
Kritisch sieht die FPÖ die Maßnahme: Bildungssprecher Hermann Brückl meinte in einer Aussendung, die Rekord-Teilnehmerzahl sei weniger ein Grund zum Jubeln, sondern Indiz für gravierende Mängel im Bildungssystem.
Source:: Kurier.at – Politik



