
Am Donnerstag wird es wieder rundgehen am Verteilerkreis in Wien-Favoriten. Bevor die Violetten am grünen Rasen gegen Braga um den Aufstieg in die Ligaphase der Conference League spielen, tagt in der Generali Arena der Aufsichtsrat. Während die Mannschaft von Trainer Stephan Helm nach dem 0:2 in Portugal für ein Weiterkommen schon ein kleines Wunder braucht, wäre es gar kein Wunder, wenn hinter den Kulissen wieder einmal die Fetzen fliegen.
Auf der Tagesordnung steht genau ein Punkt – es geht um Finanzvorstand Harald Zagiczek. Genauer gesagt um dessen Zukunft im Verein, der Vertrag des 51-Jährigen läuft Ende September aus. Logisch wäre eine Verlängerung um zwei Jahre, doch es gibt Leute bei der Austria, die Zagiczek loswerden wollen. Das wiederum dürfte aber nicht so einfach sein – der nächste Wirbel hinter den Kulissen ist also vorprogrammiert.
WTF vs. Zagiczek
Austria-Präsident Kurt Gollowitzer – er wird sein Amt auch nach Antritt seines neuen Jobs bei Superfund weiterhin ausführen – wird die Verlängerung von Zagiczek um zwei Jahre vorschlagen. Er hat sich erst im Juni im KURIER-Interview voll hinter den aktuellen Finanzvorstand gestellt. „Ich habe bereits mehrfach klar erwähnt, dass Zagiczek der Kandidat des Vereins ist und unser uneingeschränktes Vertrauen besitzt“, sagte er damals. Das will die WTF, die Investorengruppe um Jürgen Werner, allerdings verhindern.
Problem: Die WTF hat mit vier zu fünf Stimmen keine Mehrheit im Aufsichtsrat. Also hat die WTF Zagiczek einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von neun Monaten vorgelegt. Danach hätte er wohl keine violette Zukunft mehr. Zagiczek hat abgelehnt.
Veto-Recht
Die WTF hat laut Syndikatsrecht aber auch ein Veto-Recht – genau wie es die Austria bei der Bestellung von Sportvorstand Tomas Zorn gehabt (aber nicht genutzt) hat. Oder? Nicht ganz: Das Veto-Recht gilt nämlich nur bei einer Neubestellung, bei Zagiczek würde es sich aber um eine Verlängerung handeln.
Das Veto-Recht gilt aber auch dann, wenn fachliche Bedenken beziehungsweise Mängel bestehen. Zagiczek ist seit drei Jahren im Amt, unter ihm ist der Cut mit der Bank Austria gelungen, der Stadion-Verkauf abgewickelt worden und die Lizenz wurde in finanziell turbulenten Zeiten jedes Mal geschafft. Die Saison 2025/26 wird die Austria mit einem „satten siebenstelligen Gewinn“ abschließen, wie Zagiczek kürzlich in einem Sky-Interview verriet. Ihm fachlich etwas vorzuwerfen käme einer Themenverfehlung gleich. Und warum hat die WTF Zagiczek einen neuen – wenngleich nur über neun Monate gültigen – Vertrag vorgelegt, wenn man inhaltlich nicht zufrieden ist?
Es brodelt bei der Austria – und wieder einmal droht das Sportliche in den Hintergrund zu rücken.
Source:: Kurier.at – Sport



